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Wer hat die Pyramiden erbaut? : Elon Musks Tweet und seine Folgen

  • -Aktualisiert am

Von Menschenhand gemacht: Die Pyramiden von Gizeh Bild: dpa

Tesla-Chef Elon Musk vermutet, Aliens hätten Ägyptens Pyramiden erbaut. Nicht nur Ägypten findet das nicht witzig. Alternative Theorien zum Bau der Pyramiden sind jedoch kein neues Phänomen.

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          Wer vor ihnen steht, wird seine Ehrfurcht kaum verbergen können, selbst wenn sie nicht mehr die einstige physische Größe erreichen, die sie einmal hatten: die Pyramiden von Chephren, Cheops und Mykerinos in Gizeh, einem Stadtteil im Südwesten Kairos. Die gigantischen Mausoleen sind das einzige erhaltene der sieben Weltwunder; ihr Anblick, ihre Größe und ihre Beschaffenheit lösen Erstaunen darüber aus, dass Menschenhände ohne moderne Technologie so etwas zu bauen vermochten. Und die Bedeutung der Pyramiden für das heutige Ägypten ist noch immer groß. Auf viele Touristen – Ägyptens Haupteinnahmequelle – wirken sie wie ein Magnet. Kein Wunder also, dass sie bis heute der Stolz des Landes mit seiner uralten Geschichte sind.

          Und damit auch kein Wunder, dass es einige Ägypter erzürnt hat, als Elon Musk, der amerikanisch-kanadische Unternehmer hinter Paypal, Tesla und SpaceX, jetzt Zweifel an der Urheberschaft ihres Volks betreffs der Pyramiden äußerte. Am vergangenen Freitag schrieb Musk in einem Tweet, der inzwischen mehr als achzigtausend Mal geliked und mehr als eine halbe Million Mal geteilt wurde, dass Aliens die Pyramiden gebaut hätten. Dem ließ er noch zwei weitere Tweets folgen: mit Links zur Wikipedia-Seite über die Cheops-Pyramide und zu einem Artikel der BBC über das Leben derer, die die Pyramiden mit ihren Händen bauten.

          Die verhältnismäßig harmlose Aktion blieb nicht ohne Reaktion. Zahlreiche Nutzer auf Twitter, darunter bekannte bis prominente, liefen Sturm gegen Musks Alien-Theorie. Neuseelands ehemalige Premierministerin Helen Clark schrieb: Sollte Elon Musks Aussage als Scherz gemeint gewesen sein, sei sie nicht lustig. „Die Ägypter sind zu Recht stolz auf ihr großartiges Erbe.“ Der Ägyptologe Zahi Hawass, ehemaliger ägyptischer Minister für Altertümer und bekannt für seine Liebe zum großen Auftritt, machte in einem Video auf Twitter, das er sowohl in englischer als auch arabischer Sprache aufnahm, seinem Unmut Luft. Mit erregter Stimme sagte Hawass, Musks Aussagen über die Pyramiden seien „Halluzinationen“. Niemand anders als Ägypter hätten sie erbaut.

          Eine von vielen alternativen Theorien

          Auf solch prominente, aber inoffizielle Reaktionen folgte schließlich eine offizielle. In einem Tweet meldete sich Ägyptens Ministerin für Internationale Zusammenarbeit, Rania Al Mashat, zu Wort. Sie hob darin ihre Bewunderung für Elon Musks Arbeit hervor und rief ihn und sein Raketenbauunternehmen SpaceX dazu auf, Einsicht in Dokumente zu nehmen, die zeigten, wer die Pyramiden gebaut habe. Außerdem sollten sie die Gräber dieser Erbauer besuchen: „Wir warten auf Sie.“

          Die von Elon Musk geäußerte Theorie – ob als Scherz oder ernst gemeint –, Wesen aus einer fremden Welt wären die wahren Bauherren der gigantischen Mausoleen am Nil, ist nicht neu. Die Pyramiden waren in der Vergangenheit bereits mehrfach Gegenstand verschiedener alternativer Forschungstheorien. Unter ihnen findet sich die des Schweizer Erfolgsautors Erich von Däniken. In seinem 1968 erschienenen Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ hat er auf verschiedene Rätsel der Geschichte verwiesen und unter anderem nahegelegt, der Pyramidenbau wäre eine Nachahmung der Götter. Vorbild für die Vorstellung von Göttern, so vermutet Däniken, wären außerirdischen Astronauten. Diese hätten sich in eine Art Winterschlaf begeben, um die jahrtausendelange Reise zur Erde zu überstehen. Die Herrscher Ägyptens seien deshalb dazu übergegangen, sich in mehr oder weniger sicheren Gebäuden, namentlich den Pyramiden, mumifiziert einlagern zu lassen. Ihr Ziel dabei soll es gewesen sein, gleich diesen „Astronautengöttern“ wiederaufzuerstehen. In einer anderen Theorie, der Orion-Korrelationstheorie, hat der Belgier Robert Bauval den Verdacht geäußert, die drei großen Pyramiden wären als Ensemble geplant worden und entsprächen in ihrer Konstellation den drei Sternen Altinak, Alnilam und Mintaka, die den Gürtel des Sternbilds Orion formen. Auf diese Spekulationen hat Ägypten allerdings nie offiziell reagiert. Dafür brauchte es schon Elon Musk.

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