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Elon Musk im Cybertruck : Elchtest

  • -Aktualisiert am

Für die Straßenzulassung muss noch nachgebessert werden: der Cybertruck von Tesla Bild: dpa

Unterwegs in Los Angeles hatte es Elon Musk in seinem neuen Elektrokleinlaster nicht so mit den Verkehrsregeln. Der grenz- und draufgängerische Tesla-Chef war offenbar in Eile. Wohl aus zwei Gründen.

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          Wenn wir unseren Blick über Amerika schweifen lassen, sehen wir an der Westküste immer noch viele Früchte eines Pioniergeistes, von dem es heißt, dass er, als er diese last frontier erreichte, naturgemäß nicht mehr weiter nach Westen konnte, sondern notgedrungen in die Tiefe oder, je nachdem, in die Höhe ging, abstrakt oder digital wurde. Die Kulturindustrie hält seit je Beispiele nicht nur für technische Errungenschaften, sondern auch, mit ihnen geradezu zwangsläufig verbunden, für Pleiten, Pech und Pannen bereit.

          Jeder kennt die Szene aus der „Reifeprüfung“ (1967): Dustin Hoffman sucht in seinem Alfa Romeo Spider den Großraum von San Francisco ab, um Elaine Robinson aus der Hochzeitskirche zu befreien. Die letzten Meter muss er allerdings laufen; die Musik von Simon & Garfunkel wechselt wie der Motor, dem das Benzin ausgeht, in einen stockenden, stotternden Rhythmus. Zwei Jahre später trägt ein anderer, im Großraum Los Angeles beheimateter Autonarr eine seiner vielen Zivilisationsklagen vor: „I was drivin’ down the freeway / when my car ran out of gas / pulled over to the station / but I was afraid to ask“ – so Neil Young in dem Lied „The Last Trip to Tulsa“.

          Von hier ist es nicht mehr weit zu einem ganz frischen Vorfall in Los Angeles, der als the last trip of Tesla in die Technikgeschichte eingehen könnte: Der unermüdliche, so grenz- wie draufgängerische Elon Musk persönlich hatte mit seinem – wenn wir richtig sehen – doch etwas übertrieben kantigen und bestimmt nicht ganz billigen Elektrokleinlaster im Schutz der Dunkelheit ein Restaurant aufgesucht und dann, beim Verlassen des Parkplatzes, nicht nur ein Rechtsfahrgebot übersehen, sondern auch das Schild, das darauf hinwies, umgefahren und vor aus der Gegenrichtung kommenden Autos, die gerade erst Grün bekommen hatten, die Fahrbahn gequert.

          Dieser Fall doppelten menschlichen Versagens hat auch eine zweifache Ursache. Musk hatte es nämlich doppelt eilig: einmal wörtlich, nachdem er versehentlich das Schild platt gefahren hatte, und dann in einem weniger greifbaren, aber nicht weniger wichtigen Sinne.

          Er will seinen Cybertruck unbedingt noch vor dem zunächst geplanten Termin (Ende 2021) zur Serienreife führen. Da kann man nur Hals- und Beinbruch wünschen und sollte sicherheitshalber in Erinnerung rufen, dass links und rechts auch in Zukunft Richtungsanzeigen sein werden, an denen niemand vorbeikommt – es sei denn, er will, wie einst Ernst Jandl, lechts und rinks velwechsern.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

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