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Aachener Friedenspreis : Eklat wegen judenfeindlicher Äußerungen

  • Aktualisiert am

Soll den Aachener Friedenspreis nicht bekommen: Ruslan Kotsaba. Bild: dpa

Der Verein Aachener Friedenspreis wollte den ukrainischen Journalisten Ruslan Kotsaba auszeichnen. Doch jetzt soll er den Preis nicht bekommen. In einer Rede hatte er antisemitische Aussagen gemacht.

          Der ukrainische Journalist und designierte Träger des Aachener Friedenspreises, Ruslan Kotsaba, soll wegen antisemitischer Aussagen die Auszeichnung nicht erhalten. Der Vorstand des Trägervereins entschied am Freitag, dem 52-Jährigen den Preis nicht zu überreichen, wie eine Sprecherin mitteilte. Allerdings müsse die Entscheidung noch von der Mitgliederversammlung des Vereins bestätigt werden. Das Gremium soll sich am 14. Juni treffen und dann über die Verleihung des Preises an Kotsaba entscheiden.

          Kotsaba hatte am Freitag die gegen ihn erhobenen Vorwürfe des Antisemitismus bedauert und zurückgewiesen. Er bestätigte in einer Erklärung die in einem Video getätigten Aussagen und erklärte zugleich, dass sich seine Ansichten in der Sache verändert hätten. „Ich habe durch meine Politisierung im Kontext des Krieges in der Ostukraine viele meiner Einstellungen überdacht und geändert“, sagte er. „Dazu gehört auch die Aussage von 2011, die in nicht akzeptabler Weise den Juden Verantwortung für den Aufstieg des Faschismus in Deutschland und des Kommunismus in Osteuropa gibt“, sagte Kotsaba.

          Er bedaure diese Aussagen heute und bitte diejenigen, die sich durch sie verletzt gefühlt haben, um Verzeihung. Zugleich verwies Kotsaba darauf, dass er die Aussage bereits vor mehreren Jahren aus dem Video entfernt habe. „Auch wenn sie eine für die Westukraine typische Sicht darstellt, ist sie falsch“, sagte Kotsaba.

          Kotsaba war von dem Linken-Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko und dessen Mitarbeiter Darius Dunker für den Aachener Friedenspreis vorgeschlagen worden. Die beiden verteidigten in einem Statement ihren Vorschlag und erklärten, bislang nichts von dem Video gewusst zu haben. Auch wenn die Aussagen Kotsabas „völlig inakzeptabel“ seien, habe sich der ukrainische Journalist davon mittlerweile distanziert, erklärten Hunko und Dunker. Seine Erklärung sei glaubwürdig, daher habe der Journalist nach wie vor die Auszeichnung verdient.

          Der Vorstand des Vereins Aachener Friedenspreis sah das anders und entschied sich gegen eine Preisverleihung an den Ukrainer. Die Sprecherin begründete dies mit der „Schwere der Vorwürfe“. Der Verein verweist darauf, dass Kotsaba behauptet habe, die Juden seien für Nationalsozialismus und Kommunismus mitverantwortlich und hätten ihre massenhafte Ermordung wohl als Strafe dafür angesehen. Diese Aussagen, so der Verein Aachener Friedens, seien vollkommen inakzeptabel.

          Der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck hatte den Vorstand des Vereins aufgefordert, die Vorwürfe gegen Kotsaba zu prüfen. Die Initiative „Ukraine verstehen“ des von den früheren Grünen-Politikern Marieluise Beck und Ralf Fücks geführten „Zentrums Liberale Moderne“, hatte auf Facebook geschrieben, man habe dem Preisträger vorschnell gratuliert. Nun wisse man „dass dem Preisträger antisemitische Ungeheuerlichkeiten zuzurechnen sind“ und sei bestürzt: Man habe sich „nicht vorstellen können, dass der Aachener Friedenspreis, der als geachtet und respektiert gilt, an einen Menschen verliehen werden könnte, der offen antisemitische Positionen einnimmt“.

          Der Aachener Friedenspreis wollte Kotsaba für sein Eintreten für Frieden, Versöhnung und Dialog zwischen den Konfliktparteien in der Ostukraine auszeichnen. Der Verein hatte den Preisträger am Mittwoch bekanntgegeben. Ukraine-Experten hatten daraufhin die Entscheidung mit Verweis auf die antisemitischen Aussagen Kotsabas kritisiert.

          Kotsaba stammt aus der Westukraine. Er unterstützte die Majdan-Proteste in Kiew vor fünf Jahren. Nach Ausbruch des Krieges zwischen ukrainischen Truppen und von Russland unterstützten Milizen in der Ostukraine sei Kotsaba als einziger Journalist seines Landes auf beiden Seiten der Front akkreditiert gewesen, hieß es. Während Kiew von einem Kampf gegen Terroristen oder von einer russischen Invasion sprach, behauptete Kotsaba, es seien überwiegend eigene Landsleute daran beteiligt. Nachdem er im Internet alle Ukrainer dazu aufgerufen hatte, den Wehrdienst zu verweigern, wurde er wegen Behinderung der Streitkräfte und Landesverrats angeklagt.

          Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 jedes Jahr an Initiativen oder Persönlichkeiten verliehen, die sich für Frieden und Dialog zwischen Konfliktparteien einsetzen. Der Trägerverein entscheidet über Vorschläge aus der Bevölkerung. Weitere Preisträger in diesem Jahr sind zwei deutsche Initiativen gegen Atomwaffen aus dem rheinland-pfälzischen Büchel. Die Preisverleihung findet am 1. September statt.

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