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Uni Hamburg im Lucke-Skandal : Einladung zum Exzess

  • -Aktualisiert am

Konnte seine Vorlesung „Makroökonomik II“ nur unter Polizeischutz halten: Bernd Lucke Bild: dpa

Nach mehreren Abbrüchen musste AfD-Mitgründer Bernd Lucke seine Vorlesung an der Universität Hamburg unter Polizeischutz halten. Die Verantwortlichen reagieren schwach – und senden falsche Signale an zukünftige Störenfriede.

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          „Diese Fahrt wird einfach himmlisch werden!“, prophezeite Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, als seine Hochschule den Exzellenz-Titel errang. Doch jetzt, nur ein gutes Vierteljahr später, ist die „Flagship University“ auf ihrer „großen Reise“ in schwere Wasser geraten. Die linken Störer, die Bernd Lucke wiederholt zum Abbruch seiner Vorlesungen zwangen, haben nicht nur dafür gesorgt, dass seine Lehrveranstaltung jetzt unter Polizeischutz stattfinden muss. Es ist ihnen offenbar auch gelungen, den Präsidenten und die Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank von den Grünen in beträchtliche Verlegenheit zu bringen. Beide, Lenzen wie Fegebank, reagieren unentschieden und halbherzig.

          Das gilt weniger für die organisatorischen Maßnahmen und die Sicherheitsvorkehrungen, die an einer auf Offenheit angelegten Universität immer eine schwierige Gratwanderung darstellen. Es gilt aber für den Umgang mit der politischen Dimension der Vorfälle. Die Reihe schmallippiger Stellungnahmen begann, nachdem Lucke zum ersten Mal seine Vorlesung „Makroökonomik II“ hatte abbrechen müssen. Lenzen und Fegebank reagierten darauf mit der dürren Feststellung, dass der Staat zur Wahrung der freien wissenschaftlichen Lehre verpflichtet sei. Im selben Atemzug fügten sie aber hinzu, dass Universitäten die „diskursive Auseinandersetzung auch über kontroverse gesellschaftliche Sachverhalte und Positionen führen und aushalten müssen“, womit Rempeleien, Niederbrüllen und Beschimpfungen zu legitimen Mitteln des Diskurses erklärt wurden. Eine solche Fehleinschätzung wäre Lenzen und Fegebank bei rechtsextremen Störaktionen wohl kaum unterlaufen.

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