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Bilder einer Revolution : Was 1968 noch geschah

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Hatte eine eigene Botschaft der Befreiung: Elvis Presley im schwarzen Lederanzug bei seinem Comeback-Special 1968 Bild: Getty

Wer heute „1968“ sagt, meint damit die Studentenunruhen und das, was darauf folgte. Aber die meisten Menschen hörten Musik, schauten Filme, träumten von Autos und Rekorden. Ein Rückblick auf das, was die Welt im Mai vor fünfzig Jahren bewegte.

          15 Min.

          Konterrevolution mit hochgeklapptem Kragen

          In dem Jahr, in dem alle an bunte Blumen denken, zieht einer sich schwarzes Leder an. Im hautengen Ganzkörperanzug läuft er wie ein Tiger im Käfig hin und her, von Ecke zu Ecke in einem boxringartigen Quadrat. An allen vier Seiten sitzen auf Kissen gebettet junge Frauen und verzehren sich nach ihm, dem nervösen Tiger in ihrer Mitte, sie beißen sich auf die Finger, unterdrücken das Kreischen und wedeln mit ihren Stofftaschentüchern in der Hoffnung, seine Aufmerksamkeit zu erregen und vielleicht sogar ein paar seiner Schweißperlen geschenkt zu bekommen. Elvis ist zurück. Zurück auf der Bühne. Vierundzwanzig Filme hat er in den letzten acht Jahren gedreht und sich mit jedem von ihnen ein Stück weiter von seiner Herkunft und seinem Publikum entfernt. Aber jetzt, im Schicksalsjahr 68, kehrt er zurück, steigt wieder in den Ring, um zu beweisen, dass mit ihm noch zu rechnen ist. Die letzten Jahre hätten viele Veränderungen gebracht, sagt er zu Anfang, es gebe mittlerweile neue Tontechniken, neue Sounddesigner und neue Bands: „Beatles und Birds oder wie sie alle heißen“. Aber er sei auch immer noch da und könne gut mithalten.

          Dreiunddreißig ist Elvis beim Dreh seines legendär gewordenen Comeback-Specials, das der amerikanische Fernsehsender NBC am 3. Dezember 1968 ausstrahlte und damit eine sagenhafte Einschaltquote von 42 Prozent erreichte. Die Brust des auferstandenen Rock-’n’-Roll-Recken ist schweißnass, das Mikrofonkabel zieht er wie ein Lasso hinter sich her, während die Fans ihm so nahe kommen wie noch nie, sie bräuchten nur die Hand auszustrecken, um Elvis zu berühren. Der ist auf dem Höhepunkt seiner erotischen Anziehungskraft: Sein Körper ist vom Karatetraining gestählt, die schwarzen Haare fallen ohne Pomade über die Stirn, die Lippen sind voller und sinnlicher denn je. Elvis’ Erscheinung wirkt so als wolle sie mit jeder Faser beweisen: Ich bin noch nicht Großmutters Liebling, ich gehöre ganz zu euch.

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