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Raphael Gross im Interview : Geschichtsfälschung kann töten

Die Schule der historischen Urteilskraft: ein Blick in die alte Dauerausstellung des DHM Bild: René Mattes/hemis/laif

Seit fünf Jahren leitet Raphael Gross das Deutsche Historische Museum in Berlin. Ein Gespräch über historische Vergleiche und das geplante Dokumentationszentrum zur deutschen Besatzungsherrschaft in Europa.

          8 Min.

          Herr Gross, als Sie vor fünf Jahren Ihr Amt als Präsident des Deutschen Historischen Museums antraten, haben Sie als Motto Ihrer Arbeit die Förderung der historischen Urteilskraft genannt. Wie weit sind Sie damit vorangekommen?

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der Begriff ‚historische Urteilskraft‘ hat die Richtung der Ausstellungen bestimmt. Er ist eine Art Zielangabe für uns: Das wollen wir fördern. Er hat auch einen polemischen Gehalt, da es eben nicht um eine Anhäufung von Bildung gehen soll, nach dem Motto „das muss jetzt jeder wissen“. Es geht auch nicht um reine Wissenschaft, sondern um das eigene Urteil – vor dem Hintergrund historischen Wissens. Ich würde keine Ausstellung zeigen, die etwa sagt: Das ist der Antisemitismus. Mich interessieren Konfliktausstellungen, die über die Fragen, die sie aufwerfen, zugleich aufklären.

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