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Ein Gespräch mit Dennis Meadows : Grüne Industrie ist reine Phantasie

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Ist es dann nicht umso sinnvoller, schnell auf regenerative Energien umzusteigen?

Sicher ist das sinnvoll. Ich bin glücklich, wenn ich die Windmühlen sehe und die Solarzellen auf den Dächern. Aber gucken Sie sich um, wo regenerative Energien verwendet werden. Die grüne Revolution ist eine Phantasie.

Die Botschaft lautet also, vorerst weiter auf fossile Brennstoffe zu setzen?

Absolut nicht, das wäre ein Desaster. Der gegenwärtige Energieverbrauch wird uns in einen katastrophalen Klimawandel führen. Deshalb kann ich nicht glücklich darüber sein. Aber gleichzeitig geht uns auch das Erdöl aus. Die deutsche Energy-Watch-Gruppe sagte vor zwei Jahren, dass sich die Ölproduktion bis 2030 halbieren wird.

Haben sie recht?

Sie haben mehr recht als die Internationale Energieagentur, die behauptete, dass die Ölproduktion bis dahin um ein Drittel steigen würde. Das sind die gleichen Leute, die jetzt behaupteten, die Vereinigten Staaten würden das neue Saudi- Arabien. Wir brauchen regenerative Energien, weil uns das Öl ausgeht und wir das irgendwie auffangen müssen. Allerdings muss man dazu auch sagen: Es braucht eine Menge Öl, um all die Photovoltaik-Panels und Windräder zu bauen.

Wie viel Zeit muss man denn einer Energiewende geben, damit das System nicht kollabiert?

Die Dinge entwickeln sich immer über Jahrzehnte. Fukushima hat jedenfalls gezeigt: Atomkraft ist unverantwortlich, sie ist die ultimative Abzocke. Wenn man ein Kraftwerk baut, hat man für zwei Jahrzehnte den Nutzen, aber für die kommenden hunderttausend Jahre muss jemand für den Dreck bezahlen. Und sie ist gefährlich. Eine der wichtigsten Lektionen, die mir meine Mutter beibrachte, als ich klein war, lautete: Wenn du es nicht erträgst zu verlieren, spiel nicht.

Werden wir erleben, dass die Vereinigten Staaten das neue Saudi-Arabien werden?

Vielleicht werden wir mehr Öl produzieren in den Vereinigten Staaten als Saudi-Arabien. Aber was heißt das schon? Das Öl, das die Araber produzieren, kostet sechs bis acht Dollar, unser Öl wird 60 bis 80 Dollar kosten pro Barrel. Saudi-Arabien produziert so viel Öl, dass es viel davon exportieren kann, die Vereinigten Staaten werden niemals so viel produzieren können, wie wir verbrauchen. Im World Energy Outlook hieß es, dass ganz Nordamerika zum Ölexporteur werden könnte, allerdings inklusive Kanada. Amerika wird das ein Jahrzehnt lang Aufschub gewähren, einige Leute und Organisationen werden viel Geld damit verdienen, die Umweltschäden werden beträchtlich sein, und in zwanzig oder dreißig Jahren wird man wieder vor demselben Problem wie heute stehen. Denken Sie erst gar nicht dran, dass die Ölpreise in Deutschland oder irgendwo sonst deswegen sinken könnten. Einige Leute halten Erdgas für eine billige Lösung. Stimmt, die Preise dafür sind bei uns zurzeit extrem niedrig. Aber auch nur, weil man Erdgas nicht exportieren kann. Die Vorstellung, die Gewinnung von Schiefergas mit Fracking wird uns preiswerte Energie liefern, ist Nonsens. Die Kosten für die Gasförderung liegen zurzeit bei acht Dollar je Einheit, aber verkauft wird es für drei Dollar. Die werden irgendwann bankrottgehen.

Auf der Konferenz in Doha: die EU-Kommissarin für Klimapolitik Connie Hedegaard

Welche Probleme sind die dringendsten?

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