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CDU-Generalsekretär Peter Tauber : Wie wollen Sie mich überzeugen, CDU-Mitglied zu werden?

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Jung, weiblich, erwartungsvoll: Wie kann die CDU sie als Mitglieder gewinnen? Bild: Garcia/Mademoiselle Figaro/aif

Cool - dynamisch - urban: Die CDU will die Jungen, die Frauen, die Städter, die Migranten gewinnen. Sagt der CDU-General Peter Tauber. Die Zielgruppe hat ihm einen Besuch abgestattet. Ein Test.

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          Hellwach, aber die Augen trotzdem ganz klein, sitzt Peter Tauber am sehr frühen Morgen in seinem Büro, das so aussieht, wie man sich das Büro eines CDU-Politikers vorstellt: ordentlich und vollkommen egal. Peter Tauber ist der Mann, der die CDU jünger, urbaner und weiblicher machen will. Außerdem hat er vor, mehr Ausländer davon zu überzeugen, in seine Partei einzutreten. Warum will Tauber das überhaupt? Aus Kalkül? Aus ehrlicher Überzeugung? Das alles schießt durch meinen Kopf, während ich Tauber auf einem schwarzen Ledersessel gegenübersitze. Er lächelt. Trotz der Uhrzeit, es ist halb acht Uhr morgens, versuche ich nicht ganz so müde zu sein, wie es junge, urbane Frauen um diese Uhrzeit sind. Es ist Zeit für einen Test. Ich will, dass Peter Tauber mich dazu verführt, in die CDU einzutreten, oder es zumindest versucht.

          Herr Tauber, ich komme aus Russland, habe einen deutschen Pass, bin jung, weiblich und wohne in Berlin - ich gehöre zur Zielgruppe. Können Sie mich überzeugen, einen Mitgliedsantrag zu unterschreiben?

          Jemanden einfach so auf die Schnelle zu überzeugen, ist immer schwierig. Das klappt nur, wenn die Menschen schon auf dem Weg zu uns sind. Das ist bei Ihnen ja leider nicht der Fall.

          Wie würden Sie es trotzdem versuchen?

          Zunächst muss ich rausfinden, ob Sie grundsätzlich die Werte der CDU teilen. Und dann müssten wir klären, für was konkret Sie sich interessieren. Vielleicht die Frage, welche Chancen Frauen in unserer Gesellschaft haben.

          Ja, sprechen wir über Frauen. Was bedeutet für Sie Feminismus?

          Oh je! Ich selbst kann mehr mit Worten wie „Gleichstellung“ und „Gleichberechtigung“ anfangen. Feminismus war mit Sicherheit eine notwendige Bewegung in der Geschichte, gerade im Hinblick beispielsweise auf die Suffragetten. Aber ich weiß nicht, ob der Feminismus in einer extremen Ausprägung, in der er heute teilweise existiert, wirklich zeitgemäß ist.

          Was ist „extreme Ausprägung“?

          Die Debatten rund um Alice Schwarzer zum Beispiel und jene Diskurse, die gerade zwischen feministischen Frauen stattfinden. Da neige ich dazu, der gemäßigten, ruhigeren Meinung zuzustimmen - und nicht der lautstarken.

          Die gemäßigten Ruhigen, die auch das Betreuungsgeld beantragen?

          Ich kenne junge Frauen, die das sehr wohl und gerne in Anspruch nehmen. Wir schreiben niemandem das Familienbild vor, das er zu leben hat.

          Ihr Parteikollege Jens Spahn denkt, dass wir Frauen die „Pille danach“ wie Smarties schlucken würden, wenn sie nicht mehr rezeptpflichtig wäre

          Das glaube ich nicht.

          Wie hat er seinen Smarties-Vergleich dann gemeint?

          Jens Spahn sagt nur, dass die „Pille danach“ kein Medikament wie Aspirin Plus C ist, sondern eins, das auch Nebenwirkungen hat. Und deswegen sollte man vor der Einnahme mit einem Arzt sprechen.

          Sie wollen mich überzeugen, in Ihre Partei einzutreten, ich will die „Pille danach“ ohne Rezept, und um die Nebenwirkungen möchte ich mir selber Gedanken machen.

          Nur weil Sie es wollen, muss das ja nicht gleich klug sein. Auch ich möchte manche Dinge, die vielleicht nicht unbedingt klug sind - Stichwort Straßenverkehrsordnung. Es ist wichtig, dass es Regeln gibt, an die wir uns alle halten.

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