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Vor „Blitzdürren“ wird gewarnt : Heda! Heda! Hedo!

Superhitze produziert Gewitter, auf Regen folgt Trockenheit: Ein Blitz entlädt sich über Rattelsdorf in Bayern. Bild: dpa

Auch kurze, plötzlich auftretende Trockenheiten sind wie lange Dürren ein Fluch. Was dieser Klimawandel alles an Erkenntnissen und Hoffnungen zutage fördert: von „Blitzdürren“ und herbeigesehnten Gewittern..

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          Die elektrische Entladung am Himmel und das darauf folgende Aufleuchten, vulgo der Blitz, ist eine jener Naturerscheinungen, die fasziniert und der man hienieden doch einiges zutrauen muss. Der Blitz zerlegt in Sekunden Bäume, legt Feuer, und er ist auch zivilisatorisch in Begriffen wie Blitzkrieg oder Atomblitz genügend gebrandmarkt. Keiner würde den Blitz ernsthaft vermissen. Umso bemerkenswerter war die öffentliche Stille, die sich über das gewöhnlich nicht eben blitzarme Land legte, als kürzlich vom Blitzmessnetz eines Münchener Dienstleisters die große, allerdings weit unterdurchschnittliche Zahl von 517 709 Blitzentladungen im Monat Juli vermeldet wurde. Blitze würden Mangelware.

          So kann das nur jemand sehen, der Gewitter nicht fürchtet, nach Platzregen dürstet oder wie die Münchner Firma das Blitzezählen vergolden kann. Warum sich Blitze nun rarmachen, liegt auf der Hand: weniger Gewitter. Unter der seit März schmerzhaft stabilen Trockenperiode leidet nicht nur der deutsche Blitzomat, wie sich in den Weltnachrichten leicht verfolgen lässt. Das Ausdorren des Planeten geht längst allen an die Nieren. Deshalb nehmen wir die jüngste Nachricht aus der Klimaforscherszene von Anfang der Woche nicht als Bildungslücke, sondern als das schon lange nicht mehr alltägliche Aufblitzen eines Silberstreifs am Katastrophenhimmel.

          Die kalifornischen Klimatologen berichten über den von ihnen seit zehn Jahren verfolgten Aufbau eines Frühwarnsystems für „Blitzdürren“ aus dem Weltall. Teure Satellitentechnik also. Blitzdürren sind häufiger, als man denkt, da lohnt sich das. Und weil sie sich zwar schnell und mit gewaltigen Wasserverlusten einstellen können, ebenso schnell aber – die Rede ist von fünf bis dreißig Tagen – wieder verschwinden, blitzt da die Hoffnung auf, dass die hydrologischen Turbulenzen dieser Tage vielleicht doch irgendwann enden könnten. Was danach kommt, zum Donner, das wissen die Götter.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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