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Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte. Bild: Reuters

Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.

          6 Min.

          Es gibt in diesem Buch, das so vieles auf einmal ist – eine Geschichte Amerikas seit dem 11. September 2001, eine Einführung in die Technologien der Massenüberwachung, ein Plädoyer für einen Journalismus, der Regierungsinteressen nicht dient, sondern sie in Frage stellt, und eine Autobiographie – eine Art Urszene: Edward Snowden ist ein kleiner Junge und wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwester in einem alten Haus in Elisabeth City, North Carolina. Als die Familie in dieses Haus einzog, wurde die Hauptetage nach hinten erweitert, so dass Edward von seinem Zimmer aus durch ein Fenster in das Fernsehzimmer sehen kann. Ein Vorhang befindet sich vor dem Fenster.

          Julia Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seine Lieblingsbeschäftigung besteht darin, diesen Vorhang zur Seite zu ziehen und ins Fernsehzimmer zu spähen, wo eines abends, als er längst schlafen soll, sein Vater eine rätselhafte Kiste in der Hand hat und ihr ein beigefarbenes Objekt entnimmt, das aussieht wie ein Betonziegel. Der Vater verbindet es durch ein Kabel mit dem Fernseher, der aufleuchtet und damit auch das Gesicht des Vaters. Und der Sohn stellt verblüfft fest, dass der Vater nicht einfach fernsieht, sondern darüber bestimmt, was auf dem Bildschirm geschieht. Gebannt schaut er heimlich zu, bis der Vater ihn hinter dem Vorhang bemerkt, das Fenster öffnet, den Arm ausstreckt, nach ihm greift, ihn mit der Decke zu sich ins Fernsehzimmer zieht – und mit ihm am Commodore 64, einen Hubschrauber steuernd, „Choplifter!“ spielt.

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