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Edition von „Mein Kampf“ : Das Böse, kommentiert

Band eins der kommentierten Fassung von „Mein Kampf“ steht in einer Münchner Buchhandlung. Bild: dpa

Ist die Herausgabe der kritischen Edition von „Mein Kampf“ ein Fehler? Nein. Sie analysiert den völkischen Gedankensumpf und begleitet den Leser durch den historischen Wahnsinn. Ein Kommentar.

          Kann es richtig sein, wenn ein Buch zugleich verboten und mit öffentlichen Mitteln publiziert wird? Das ist die Situation, seit zu Beginn des Jahres die Urheberrechte des bayerischen Staates an Adolf Hitlers „Mein Kampf“ erloschen sind. Die Justizminister der Länder haben beschlossen, jeden Nachdruck der rassistischen Propagandaschrift von 1925 auch weiterhin wegen Volksverhetzung zu verfolgen. Am Freitag ist die historisch-kritische Edition des Buches durch das Münchner „Institut für Zeitgeschichte“ vorgestellt worden.

          Das absolut Böse lässt sich nicht edieren, hat der britische Germanist Jeremy Adler dazu geschrieben. Wertet eine fast 2000 Seiten dicke Ausgabe mit Textvarianten, Quellenverweisen, Wort- und Begriffserklärungen, sachlichen Klärungen samt Lesebändchen das Monstrum nicht tatsächlich zum Klassiker auf? Adler verdient mehr als die Antwort, man respektiere die Sicht von Opfern des nationalsozialistischen Rassenwahns. Eine bessere gab bei der Buchvorstellung Ian Kershaw, der Autor der maßgeblichen Hitler-Biographie: Das absolut Böse sei schon ediert worden. Hitlers Reden, seine Tischmonologe, Goebbels’ Tagebücher – all diese nicht minder widerwärtigen historischen Quellen liegen in wissenschaftlicher Bearbeitung vor. Was könnte begründen, bei „Mein Kampf“ eine Ausnahme zu machen? Dass das Buch ein besonderer Mythos umgibt? Der ist nicht zuletzt durch das Nachdruckverbot bewirkt worden und dadurch, dass es bislang keine Ausgabe aus Forscherhand gab, die wie die jetzt vorliegende den Text historisch auseinandernimmt.

          Darin liegt die zweite Antwort an alle Skeptiker, die Antwort der hier erprobten belehrenden Edition. Denn sie belässt es nicht bei trockenen Sachhinweisen. Was wir seit Freitag in Händen halten, ist vielmehr eine gedruckte historische Vorlesung über „Mein Kampf“, die in die Binnenstruktur der autobiographischen und politischen Verlogenheit ebenso eindringt, wie sie den völkischen Gedankensumpf analysiert, aus dem sie sich entwickelte, samt der furchtbaren Wirklichkeit, zu der die Phrasen führten. Bei all dem setzt sie ein Publikum voraus, das nicht aus Hitlerforschern besteht. Der Kommentar ist eine Form, dem historischen Wahnsinn ins Auge zu schauen und die Methode, die er hatte, darzustellen. Das absolut Böse kann nicht unkommentiert bleiben.

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