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Düsseldorf sagt Ausstellung ab : Skandal ja, Antisemitismus nein

Ausschlaggebend für die Absage sei vielmehr, so Felix Krämer, der Direktor der Stiftung Museum Kunstpalast, die wissenschaftliche Konzeption der Ausstellung. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe hatte sie erst auf Anforderung im September von der Direktorin des Stadtmuseums erhalten: Was darin auf sechs Seiten, die dieser Zeitung vorliegen, ausgeführt wird, kommt über eine erste Skizze nicht hinaus. Lohe hält die Konzeption für „nicht ausgewogen“, die Direktorin habe weder die eigenen Mitarbeiter noch die Provenienzforscherin eingebunden, sondern die gesamte wissenschaftliche Arbeit an die Experten in Kanada, wo sich der Nachlass von Max Stern befindet, abgegeben und ausgelagert.

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Es sind mithin interne Düsseldorfer Missstände, die zur Absage der Ausstellung führten. Zeit, diese vorzubereiten, hatte die Museumsdirektorin reichlich: Schon im April 2014 hatte die Stadt in einem Festakt, zu dem die kanadische Botschafterin und der Leiter des Max Stern Art Restitution Projects anreisten, den Erben ein Selbstbildnis Wilhelm von Schadows zurückgegeben und die Sonderausstellung angekündigt. Das kleine Stadtmuseum strebte ins Rampenlicht, in Sachen Restitution wollte es als Vorbild dastehen, und das Stern-Projekt bedankte sich, indem es ihm das Bild als Leihgabe überließ.

Man mag es der Düsseldorfer Stadtspitze als Fürsorge gegenüber ihren Mitarbeitern zugutehalten, dass sie die überforderte Museumsdirektorin nicht öffentlich in die Verantwortung genommen hat. Doch mit dem Versuch, über die eigentlichen Gründe der Absage hinwegzutäuschen, hat sie ein informationspolitisches Fiasko angerichtet und eine internationale Empörungslawine losgetreten. „Die Absage ist tragisch“, sagte Clarence Epstein, der Direktor des Stern-Projekts in Montreal, der kanadischen Zeitung „Globe and Mail“: „Düsseldorf hat Max Stern schon einmal aus der Geschichte ausgelöscht. Jetzt geschieht das wieder - mit wenig Widerstand von jenen in Deutschland, die es verhindern könnten.“ Wie die Absage kommuniziert wurde, ist unbedarft, ärgerlich, peinlich. Wer sie aber antisemitisch nennt, nimmt, was ungeschickt fingiert wurde, für bare Münze.

Statt der Ausstellung will die Stadt im Herbst ein Internationales Symposion zu Max Stern ausrichten. Eine Schau, die eine breite Öffentlichkeit anspricht, kann das nicht ersetzen. Darauf hat auch NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen hingewiesen. Während Kulturstaatsministerin Monika Grütters, ohne mit der Düsseldorfer Kulturverwaltung gesprochen zu haben, über die „New York Times“ erklären ließ, die Absage sei „überaus bedauerlich“, bemüht sich Pfeiffer-Poensgen um Schadensbegrenzung: „Das Symposion“, so sagte sie dieser Zeitung, „könnte, wie das oft geschieht, der Ausstellung den Weg bahnen und sie vorbereiten helfen.“

Veranstaltet werden aber sollte diese, und dazu hat Felix Krämer gerade seine Bereitschaft erklärt, dort, wo sie hingehört und die kunsthistorische Kompetenz dafür vorhanden ist: Im Museum Kunstpalast.

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