https://www.faz.net/-gqz-9otqs

F.A.Z. über AfD : Lektüre bildet

  • -Aktualisiert am

Wird ihre Partei „rechtsextrem unterwandert“? Die Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel und Alexander Gauland Bild: dpa

Wie die F.A.Z. über die AfD berichtet und ihr Sagen und Tun kommentiert, lässt sich naturgemäß nur durch Lektüre erfassen. Nicht durch Draufschauen. Einige Politiker scheinen sich zu wünschen, es wäre wie bei Twitter.

          Die Führung der AfD hat in einem Schreiben an das Bundesschiedsgericht der Partei mitgeteilt, sie befürchte, dass die Partei von Rechtsextremisten „unterwandert“ werden könnte. Wer die AfD für durch und durch rechtsextremistisch hält, wird diese Formulierung für unfreiwillig komisch oder heuchlerisch oder rein taktisch halten. Dass die AfD-Führung sich bestrebt zeigt, die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende der Partei wegen Rechtsextremismus auszuschließen, muss dann als unbeachtlich abgetan werden. Dass der nordrhein-westfälische und der bayerische Landesverband der AfD sich gerade über die Frage der „Unterwanderung“ zerlegen, erschiene genauso nebensächlich. Denn eine Partei, so das Argument, die Björn Höcke und die Seinen in ihren Reihen duldet, ist nicht „unterwandert“, sondern besteht zu mehr als erheblichen Teilen aus Rechtsextremen. Diese „duldet“ sie genau genommen nicht, sondern hält an ihnen aus Kalkül fest. – Das kann man so sehen, und dies alles ist der Berichterstattung der F.A.Z. zu entnehmen.

          Am Montag enthielt sie fünf Berichte zum Thema. Der abschließende Kommentar zum Versuch von Alexander Gauland (AfD), den „konservativen“ und den radikalen Teil der AfD unter Rauswurf von einigen Extremisten zusammenzuhalten, bezeichnete dies als naive Illusion. Das war der Zeitung naturgemäß nur durch Lektüre zu entnehmen. Nicht durch Draufschauen.

          Draufgeschaut hatten unter Politikern beispielsweise die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD), der Bundestagsabgeordnete Alexander Lambsdorff (FDP) und der Generalsekretär im Ruhestand Ruprecht Polenz (CDU). Chebli empfand die Überschrift „AfD-Spitze befürchtet Unterwanderung durch Rechtsextremisten“ als „AfD-Sprech“. Dieser Zeitung hielt sie vor, nicht mehr konservativ zu sein, sondern „unmenschlich“. Lautet das im Klartext, diese Zeitung sei selbst rechtsextrem? Einer Überschrift halber? Lambsdorff wiederum fand es „bezeichnend und traurig“, dass die Überschrift zusammenfasste, was die AfD-Spitze über sich selbst sagte, stellte allerdings die Frage voran: „Bin ich zu kritisch“? So viel Selbstzweifel waren von Ruprecht Polenz nicht zu erwarten, der uns darum folgerichtig vorwirft, wir hätten eine Pressemitteilung der AfD in der Überschrift wörtlich übernommen.

          Hoffentlich sind auch wir nicht zu kritisch, wenn es uns bezeichnend und traurig vorkommt, dass Politiker nicht nur ausschließlich Überschriften zu lesen scheinen, dem aber Gesamtdiagnosen für die Haltung einer Zeitung entnehmen. Nicht weniger traurig mag es erscheinen, wenn mit Begriffen wie „unmenschlich“ sehr freizügig umgegangen wird. Und ebenso traurig und bezeichnend könnte es sein, dass manche zwar, wie Ruprecht Polenz, weiterlesen, aber trotzdem nicht merken, dass es weder eine Pressemitteilung der AfD war, noch sie wörtlich übernommen wurde. Ob sie sich Anführungszeichen eher für das Wort „befürchtet“ oder für „Unterwanderung“ oder beides gewünscht hätten, lassen die Kritiker offen. Aber wir haben schon verstanden: Am liebsten wäre ihnen, dass wir bereits in Überschriften unsere (d.h. ihre) Meinung über einen Sachverhalt mitteilen. Ein bisschen so wie auf Twitter. Doch dafür ist die Zeitung nicht da.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Missbrauchsfall Lügde : Angeklagter zu Bewährungsstrafe verurteilt

          Der Mann soll nicht direkt an dem Missbrauch beteiligt gewesen sein, sondern per Webcam zugeschaltet. Ein Gutachter hatte ihn für voll schuldfähig erklärt. Die Vorsitzende Richterin nannte die Taten „schäbig und menschenverachtend“.

          Lichtverschmutzung : Der helle Wahnsinn

          Die Nacht verschwindet und mit ihr zahlreiche Tierarten. Dabei wäre es so einfach, das Licht in den Städten zu dimmen, ohne auf Sicherheit zu verzichten. Wie der Wandel gelingen kann, führt die Sternenstadt Fulda vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.