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Israel und die Documenta : Westberlin unter Palmen

  • -Aktualisiert am

Mit dem Sechs-Tage-Krieg war Israels politische Integration in den „globalen Süden“ endgültig gescheitert: Siegreiche israelische Soldaten sitzen auf einem Lkw. Bild: picture alliance / SvenSimon

Der Documenta-Skandal folgt dem binären Denken des Kalten Krieges: Hier der globale Süden, da der koloniale Norden – samt Israel. Wird das der Geschichte des jüdischen Nationalstaats aber überhaupt gerecht? Ein Gastbeitrag.

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          Zwei antijüdische Zerrbilder werden im Agitprop-Triptychon „People’s Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi präsentiert: der zähnefletschende Diaspora-Jude, mit SS-Runen markiert als Sinnbild des absolut Bösen – und der militaristische jüdische Israeli, mit Schweinegesicht, Mossad-Helm und Davidstern-Halstuch. In der öffentlichen Debatte wird der antisemitische Gehalt dieser Darstellung kaum noch angezweifelt, aber eine andere Frage gerät in den Hintergrund: Wie sinnvoll ist die Unterteilung der Welt in einen „globalen Norden“ und einen „globalen Süden“ – und gehört der Staat Israel in solch einer binären Weltsicht tatsächlich auf die Seite des Nordens, sozusagen als jüdisch-zionistische Spielart des europäischen Siedlerkolonialismus?

          In den klassischen Formulierungen der Drittwelt-Ideologie (französisch tiers-mondisme, also die Glaubensgrundsätze der Blockfreien-Bewegung), zu denen auch der palästinensische Nationalismus gehört, wird diese Unterscheidung gern getroffen: hier die unterdrückten Völker der (post-)kolonialen Welt, organisiert in der Bewegung der Blockfreien – dort die westlichen Kolonialmächte einschließlich Israel, oder um es mit Artikel 22 der palästinensischen Nationalcharta zu sagen: „Der Zionismus ist eine politische Bewegung, die organisch mit dem internationalen Imperialismus verbunden ist und im Widerspruch zu allen Aktionen der Befreiung und der progressiven Bewegung in der Welt steht. Er ist rassistischer und fanatischer Natur; seine Ziele sind aggressiv, expansionistisch und kolonialistisch; seine Methoden sind faschistisch.“

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