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Documenta Fifteen : Einfach so weiterfeiern?

  • -Aktualisiert am

Zwangloses miteinander rumhängen: Besucher im Centre D’Art Waza im Fridericianum – Waza bedeutet auf Suaheli „sich etwas vorstellen“. Bild: Felix Schmitt/The New York Times

Antisemitismus-Skandal, Absage von Veranstaltungen und niemand, der Verantwortung für all die Fehlschläge übernehmen will: Ein Besuch auf der beschädigten Documenta Fifteen in Kassel.

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          Beim dritten Mal gibt die Konstruktion auf: Das Holz splittert, ein Brett fliegt aus seiner Verankerung und landet vor den Treppen des Fridericianums. Daneben steht ein junger Mann mit einer Baseballkappe und rammt sein Brecheisen erfreut in die nächste Europalette. Ein paar Studenten nageln die Bretter ein paar Meter weiter zu Sitzbänken zusammen, deren Rückenlehne ein Blumenkasten ist. Die Kasseler Studenten bauen Möbel fürs Nongkrong, das „gemeinsame Abhängen“, das von Ruangrupa, dem Kuratorenteam dieser Documenta, zu einer der zentralen Kulturpraktiken und Ziele ihrer Ausstellung ausgerufen wurde. Im September werde man dann die in der Lehne angepflanzten Kräuter und Gemüsesorten ernten, sagt Gudrun Ingratubun vom Education-Team der Documenta.

          Von der Möbelproduktionsstätte sieht man über den Friedrichsplatz bis zu der Stelle, an der kurz nach der Eröffnung der Documenta das antisemitische Banner der Gruppe Taring Padi entrollt worden war. Es gab einen Moment, da dachte man, vielleicht war es das mit der Documenta: Auf der Website stand unter fast allen Veranstaltungen, sie seien wegen der pandemischen Situation abgesagt, was eine eher schlechte Notlüge war. Einen wirklichen Dialog gab es seitdem ebenso wenig wie eine wirkliche Aufarbeitung, wie es zu dem Skandal kommen konnte. Am kommenden Wochenende soll das Programm wieder hochgefahren werden, schon jetzt finden wieder Veranstaltungen statt.

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