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Desaster in Kassel : Ist die Documenta noch zu retten?

  • -Aktualisiert am

Wieder abhängen auf dem Kassler Friedrichsplatz nach dem Abhängen des antisemitischen Großbanners des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi Bild: dpa

Nach dem Documenta-Desaster: Sogar der Bundeskanzler fordert Konsequenzen, aber die Verantwortlichen klammern sich an ihre Posten. Jetzt soll die Ausstellung nach antisemitischen Werken durchsucht werden. Reicht das?

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          Am Mittwochabend um 22 Uhr, als die Situation längst eskaliert war, erschien eine Push-Nachricht, in der zu lesen war: „Documenta reagiert auf Kritik: Generaldirektorin Schormann kündigt.“ Na endlich, dachte man, übernimmt die Generaldirektorin die Verantwortung für ein Desaster, das sich längst zu einer Staatsaffäre ausgeweitet hat. Wenn man die Nachricht öffnete, sah man, dass der Satz nur halb zu sehen war und weiterging – dort stand allen Ernstes: „Generaldirektorin Schormann kündigt - Gesprächsreihe an.“

          Das ist die Lösung - ein Gespräch?

          Das ist also die Lösung des größten Kunstskandals der letzten Zeit – ein Gespräch? Für alle, die das, was der Nachricht vorausgegangen war, verpasst haben, hier kurz die Zusammenfassung: Nach monatelangen intensiven Debatten um die Nähe einiger Künstler zur BDS-Initiative, die den Boykott Israels fordert, war bei den Eröffnungstagen für die Fachpresse nur ein Werk zu sehen, dem man auf den ersten Blick seinen deutlichen Israelhass ansah. Kaum war dieser Befund von der Presse vermeldet worden, wurde überraschenderweise am Freitagabend am zentralen Platz der Documenta, dem Friedrich­s­platz, an dem traditionell die programmatischen Setzungen der Kunstschau zu besichtigen sind, ein monumentales Wimmelbild der Gruppe Taring Padi entrollt, das zwei abscheuliche, unbestreitbar antisemitische Karikaturen enthielt.

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