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Diskussion um Umbenennungen : Sind Straßennamen Schall und Rauch?

  • -Aktualisiert am

Geht gar nicht? Die Kölner Iltis-Straße erinnert nicht an das Tier, sondern an das Kanonenboot SMS Iltis. Das kämpfte in Ostasien für das Deutsche Kaiserreich. Bild: Archiv

Der Sturm auf die Straßennamen wird von einem magischen Glauben an die Macht von Namen angetrieben. Verkannt wird, welche Funktionen sie im alltäglichen und im kulturellen Gedächtnis tatsächlich haben. Ein Gastbeitrag.

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          Name ist Schall und Rauch. Wie oft haben wir das gehört. Jetzt aber klingt es ganz anders: Namen sind so gefährlich, dass sie wie Fliegerbomben aus dem Weltkrieg entsorgt, ja geradezu weggesprengt werden müssen. Die Straßennamenstürmer gehen hoch emotional vor. Sie glauben so fest an eine geradezu magische Kraft des Namens, dass Reflexionen auf die soziologischen und sprachwissenschaftlichen Grundlagen erst gar nicht angestrebt werden. Dabei halten die ernsthaft am öffentlichen Bewusstsein interessierten Wissenschaften Begriffe mit großer Ordnungs- und tiefgreifender Erklärungskraft bereit. Sie empfehlen zu unterscheiden zwischen dem „kommunikativen Alltagsgedächtnis“ und dem institutionell gelenkten „kulturellen Gedächtnis“. Die Straßennamen gehören beiden Sphären an. Genau darin liegt ihre Kraft und zugleich ihre besondere Problematik.

          Jetzt werden also die „Mohrenstraßen“ perhorresziert – in Berlin, in Köln und in zahlreichen anderen Städten. Sie sollen rassistisches Gedankengut insinuieren und, wo vorhanden, stützen. Im alltagsnahen „kommunikativen Gedächtnis“ geben diese Namen aber zunächst einmal nur Orientierung, allemal für die Fremden und die Kinder, die sich allmählich ins Viertel einleben müssen. So werden Straßennamen für die Hinzukommenden allmählich das, was sie für die Alteingesessenen schon sind: Ankerpunkte für Beheimatung. Unreflektiert werden die Namen internalisiert. So haben sie zunächst einmal Fernstellung zu hochbewussten Ideologien. Damit ist ihre Existenz eher der unbewusst fließenden Mentalität des Alltags zugeordnet, in der sich Bewohner aufgehoben fühlen.

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