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Zum Tod des Netzpublizisten Robin Meyer-Lucht : Meister der Debatte

  • -Aktualisiert am
Robin Meyer-Lucht
          1 Min.

          Im Spannungsfeld zwischen digitaler Öffentlichkeit und Privatheit ist es gerade der Nachruf, der Schwierigkeiten macht. Was wissen wir wirklich über einen Menschen, der vornehmlich seine öffentliche Seite zeigt, was wäre über die dadurch gewissermaßen hindurchscheinende Person zu sagen - und was davon ist von öffentlichem Interesse, was muss privat bleiben?

          Wer hätte darüber besser schreiben können als der Medienwissenschaftler und Journalist Robin Meyer-Lucht, der Gründer des Blogs Carta und einer der führenden Köpfe der deutschen Blogszene. Es war im Jahr 2008 kein unambitioniertes Unterfangen, sich mit Medien, Politik und Wirtschaft in dieser Breite zu befassen und dabei mit knappen Ressourcen den digitalen Wandel zu begleiten. Doch Meyer-Lucht, gefragt ob dieses Ausgangspunktes, antwortete dann: „Ich habe es einfach gemacht, geredet hatte ich genug“, und lächelte verschmitzt und zuversichtlich.

          Studiert hatte er Wirtschaft-, Sozial- und Medienwissenschaften in Hamburg, London, Berlin und St. Gallen. Er gründete das Berlin Institute, das zum digitalen Wandel forschen und beraten sollte. Und er gründete Carta. Meyer-Lucht gelang es sehr früh, aus seinem Umfeld, von Hochschulen und Blogs. Autoren zu gewinnen, die auf dem Mehrautorenblog in eigener Verantwortung publizierten. Carta setzte immer wieder Themen in der vergleichsweise kleinen Online-Welt von rund 50.000 Lesern, diente als Scharnier zwischen den Mediengattungen und als Diskursplattform, es erzeugte Bindung für ein gebildetes, kritisches Publikum, das Spaß an der Debatte hat.

          Intellektuell und aufgeweckt

          Eine Frucht, die Meyer-Lucht neben Anerkennung für seine Arbeit erntete, war der Grimme Online Award für die Publikation, eine weitere der Lead Ward. Carta sah man den Meister an: Intellektuell und aufgeweckt waren viele Texte, manche von frischem Nachrichtenwert, lebhaft bis streitlustig waren die Debatten - und manchmal auch ein bisschen sperrig, fast unzugänglich, doch stets getragen vom sympathischen Grundton des Herausgebers.

          Am vergangenen Freitag ist Robin Meyer-Lucht, wie jetzt bekannt geworden ist, im Alter von nur 38 Jahren gestorben. Die hiesige Bloggerszene verliert einen klugen Kopf, der zeitweilig auch die F.A.Z. beriet. Die Sommerpause, in die er Carta im Juni diesen Jahres schickte, endet nicht mit dem Herbst und seinen reifen Früchten.

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