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Steve Jobs : Die Schönheit liegt im Auge des Benutzers

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Steve Jobs war immer das Stück vom Apfel, das die Sache rund machte. Nicht nur seiner Firma wird er fehlen Bild: REUTERS

Er war weder Ingenieur noch Designer. Trotzdem hat Steve Jobs uns gezeigt, dass Eleganz der beste Wegweiser zu guter Technologie ist. Das macht ihn fast unsterblich.

          Steve Jobs’ tragischer Tod im Alter von 56 Jahren ist eine gute Gelegenheit, über den Computer nachzudenken, der im Zentrum einer der wichtigsten, mächtigsten und am wenigsten verstanden Industriezweige steht. Jeder weiß, wer Jobs war, aber es ist nicht leicht zu sagen, was er war. Natürlich erfand er wie alle großen Gestalten seine Stellenbeschreibung Monat für Monat, Jahr für Jahr neu, und er hat keinen Nachfolger. Doch Steve Jobs zu beschreiben und einzuordnen, ist nicht nur wegen seiner Einzigartigkeit schwer, sondern auch, weil wir die fundamentale Bedeutung der Ästhetik für Wissenschaft und Technologie noch nicht recht verstehen.

          Wo er auch war, bei Apple oder einem anderen Unternehmen, das er gründete, besaß oder umstrukturierte, er war ein künstlerischer Leiter. Er war der Dirigent, der den Musikern sagt, was er will, und so lange mit ihnen arbeitet, bis er es bekommt. Er war kein Ingenieur und kein Designer. Er verstand die Bedeutung des Designs aber oft besser als die Designer.

          Die unwiderstehliche Stromlinienform

          Vor allem Amerikanern fällt es schwer zu glauben, dass Technologie Design ist, dass große Technologie schöne Technologie ist: innen und außen. Schönheit ist der beste Wegweiser zu guter Technologie und zu guter Wissenschaft. Eine gute Theorie ist eine schöne Theorie - dasselbe gilt für ein schönes Mobiltelefon.

          Amerika besitzt eine glanzvolle Designgeschichte und einen eigenen Stil, für den in vollkommener Weise das Werk von Steve Jobs steht. Amerikanisches Design ist funktionell, originell und vor allem romantisch. Während etwa der große europäische Architekt Richard Rogers - im Einklang mit Le Corbusiers berühmtem Diktum, wonach ein Haus eine „Wohnmaschine“ sei - Gebäude in große Maschinen verwandelt, lässt der Amerikaner Frank Gehry Bauwerke herabstoßen, sich in die Höhe schwingen und laut auflachen - wie es auch seinen Vorläufern Eero Saarinen und Frank Lloyd Wright gelang. Amerikaner erfanden die Stromlinienform, so dass Flugzeuge wie die Douglas DC-3 von 1936 sich wie ein Messer durch die Luft bewegten und nicht wie ein großes Klavier (nach Art der Fokker F.VII). Dann begannen sie, alles stromlinienförmig zu gestalten, einschließlich riesiger Wolkenkratzer in Manhattan, und das allein wegen des Glanzes und der Eleganz, die sich daraus ergaben. Während Europa in den 1960er Jahren komfortable Züge und Busse wie auch elegante und effiziente Kleinwagen entwickelte, schickte Amerika Menschen auf den Mond. Das war das romantischste Technologieprojekt aller Zeiten.

          Ganz auf Schönheit eingestellt

          Steve Jobs begriff von Anfang an, dass er den Ingenieuren zu sagen hatte: So soll es aussehen, klingen, sich anfühlen; so soll die Bedienung funktionieren; so groß soll es sein, und so viel soll es kosten. Jetzt macht euch an die Arbeit! Und meldet euch, wenn ihr fertig seid! Jobs wusste, dass in der Technologie Größe aus Eleganz erwächst. Unter seiner Anleitung entstanden einige der elegantesten technischen Geräte der Geschichte: iPod, iPhone und iPad; der schöne und einflussreiche Next Computer von 1988 und vor allem der Apple Macintosh von 1984, das Vorbild nahezu aller Desktop- und Laptopcomputer in der heutigen Welt.

          Steve Jobs erkannte Schönes auf den ersten Blick. Das war seine große Begabung. Er und Steven Wozniak gründeten 1977 Apple. Wozniak war ein Ingenieur von bald schon legendärer Brillanz, berühmt für die Eleganz und Schönheit der von ihm entworfenen elektronischen Schaltungen. Doch der Macintosh ging aus einem Samenkorn hervor, das Xerox gesät hatte. In den 1970er Jahren erfand bei Xerox eine Gruppe von Forschern den Personal-Computer (dem sie den Namen Alto gaben), mit allem, was dazugehört: mit einer grafischen Benutzeroberfläche, Menüs, Icons, Grafik und der Maus - alles mehr oder weniger so, wie wir es heute kennen. Der wichtigste unter diesen großartigen Erfindern war Alan Kay. Er baute seinerseits auf Erfindungen auf, die Douglas Engelbert in den 1960er Jahren gemacht hatte. Engelbert hatte als erster die Maus, die grafische Benutzeroberfläche und die ganze Idee eines Computers entwickelt, der wichtigere Dinge tat als nur zu rechnen. Engelbert wollte, dass Computer alltägliche Probleme lösen, dass sie Autoren beim Schreiben und beim Drucken von Dokumenten helfen, dass sie das Finden und Verstehen von Informationen erleichtern, dass sie Kommunikation und Zusammenarbeit im Arbeitsprozess verbessern.

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