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Soziale Netzwerke : Warum Facebook keiner mehr versteht

  • -Aktualisiert am

Freunde, Markierungen und Verbindungen: Facebook will künftig besser kommunizieren, was geändert wird Bild: Reuters

An Mark Zuckerbergs sozialem Netzwerk führt im Internet kein Weg vorbei. Doch sorgen jüngste Verknüpfungen von Inhalten für Unmut. Manche verlassen das Netzwerk, andere machen ihr Profil völlig öffentlich.

          Neuerungen von Facebook werden nie einstimmig begrüßt. Doch diesmal sind es nicht nur die Nutzer, die den Überblick verlieren. Sogar ein Expertenblog wie „mashable.com“ titelt: „Nobody can stop facebook because nobody understands facebook“. Und auch Facebook selbst scheint im Moment mit den Folgen seiner Neuerungen überfordert zu sein. Elliot Schrage, der bei Facebook als Vizepräsident für Kommunikation wirkt, hat sich in der „New York Times“ bei den Nutzern für die Verwirrung entschuldigt, die aus den letzten Änderungen entstanden ist, und baldige Abhilfe versprochen.

          Was ist passiert? Im Social Web dreht sich alles um das Weitersagen von Informationen und das Vernetzen mit Gleichgesinnten. Facebook, das die Liste der Weitersage-Medien mit großem Abstand anführt, hat jetzt dieser Entwicklung Rechnung getragen, um nicht zu sagen: sie auf die Spitze getrieben.

          Der „Gefällt mir“-Button ist schon auf mehr als hunderttausend Websites

          Mit der Einführung des „Open Graph“ hat sich Facebook zum Ziel gesetzt, auch Webinhalte außerhalb von Facebook effektiv mit der Plattform zu vernetzen. Dies geschieht zum einen über den „Gefällt mir“-Button, der schon von mehr als hunderttausend Websites integriert worden ist. Über diesen Button lassen sich externe Inhalte auf Facebook weitersagen und so mehr Zulauf für diese Websites generieren. Zum anderen wird dem Nutzer eine personalisierte Erfahrung angeboten, da er beim Besuch einer solchen Website nicht nur sehen kann, wie viele Leute sie weiterempfohlen haben, sondern welche davon mit ihm vernetzt sind.

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          Doch das ist nicht alles. Jeder Nutzer hat in seinem persönlichen Profil einen Info-Bereich, in dem er Angaben über seine Interessen, Arbeitgeber oder Beziehungen machen kann. Diese Angaben werden jetzt zu automatisch generierten „Gemeinschaftsseiten“ verlinkt, um dem Nutzer die Vernetzung mit Gleichgesinnten zu erleichtern.

          Facebook macht nichts sichtbar, was nicht schon anderswo sichtbar wäre

          Direkt posten kann man dort allerdings nicht. Vielmehr erscheinen alle Postings, die das betreffende Schlüsselwort enthalten, fortan in Kopie auf dieser Gemeinschaftsseite und können dort von anderen kommentiert werden. Dies geschieht gemäß den Privatsphäre-Einstellungen des Originalpostings. Ist dieses nur für Freunde sichtbar, ist das auf der Gemeinschaftsseite ebenso. Postet man aber auf einer öffentlichen Seite, ist die Kopie ebenfalls öffentlich.

          Facebook macht damit also nichts sichtbar, was nicht schon an anderer Stelle sichtbar wäre, die Postings werden jetzt aber thematisch sortiert und damit neu kontextualisiert. Betreiber von offiziellen Facebook-Seiten (Fanseiten) werden dadurch mit gleich oder ähnlich lautenden (manchmal sogar mehreren) Gemeinschaftsseiten konfrontiert, auf die sie keinen administrativen Zugriff haben. Je nach Anzahl der Nutzer, die sich mit diesen Seiten vernetzen, tauchen diese Gemeinschaftsseiten möglicherweise noch vor den offiziellen Seiten in der facebookinternen Suche auf, so dass die offiziellen Seiten schwerer zu finden sind.

          Konsequenzen sind bislang unbekannt

          Jeder, der sich mit einer dieser neuen Gemeinschaftsseiten vernetzt, kann dort auf bereits existierende offizielle Seiten zum selben Thema hinweisen. Welche Konsequenz Facebook aber aus diesen Angaben ziehen wird, ist noch nicht bekannt. Inzwischen existieren offizielle Seiten und Gemeinschaftsseiten einfach nebeneinander.

          Auch wenn Facebook eigene Privatsphäre-Einstellungen für die neuen Verbindungen zur Verfügung stellt, so sind diese zunächst auf Facebooks Standardeinstellung „Alle“ gesetzt und müssen erst angepasst werden. Dass dem so ist, fällt aber nur dem auf, der regelmäßig seine Einstellungen überprüft oder sich über Fachblogs auf dem Laufenden hält. Die neuen Privatsphäre-Optionen wurden dabei nicht einfach zu den vorhandenen hinzugefügt.

          Demnächst 500 Millionen Nutzer

          Vielmehr wurde der ehemalige Bereich „Profilinformationen“ in die neuen Abschnitte „Persönliche Informationen und Beiträge“ und „Freunde, Markierungen und Verbindungen“ aufgeteilt, was zur Folge hat, dass auch bereits getroffene Einstellungen abermals angepasst werden müssen. Diese bieten aber zum Teil auch detailliertere Optionen als vorher.

          Facebook setzt also auf die Eigenverantwortung der Nutzer, will aber künftig besser kommunizieren, was geändert wird. Inzwischen sollte man sich mit den neuen Privatsphäre-Einstellungen vertraut machen (die allerdings sukzessive eingeführt werden und daher noch nicht bei jedem angekommen sein müssen). Währenddessen versuchen die einen mit einem geplanten Facebook-Exodus ein Zeichen zu setzen, andere machen ihr Profil bewusst komplett öffentlich. Facebook wächst derweil weiter auf demnächst fünfhundert Millionen Nutzer.

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