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Soziale Netzwerke : Ich weiß, was du bald mögen wirst

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Dank Googles Algorithmen bestimmen wir den Preis der Anzeigen für Online-Magazine und Suchoberflächen durch unser eigenes Verhalten im Netz. Gleichzeitig zementieren wir damit auch unsere eigene Sicht auf die dort vermittelte Sicht auf die Welt. Denn seit Günther Anders und Jean Baudrillard ist es offensichtlich, dass wir nur noch einen medial aufbereiteten Blick auf die Welt haben. Und der direkte Kontakt ist nicht erst durch die digitalen Codes verstellt worden. Anders hatte in seinem Buch „Die Antiquiertheit des Menschen“ Mitte der fünfziger Jahre am Beispiel des Fernsehens erkannt, dass uns die Welt nunmehr als Ware mit ästhetisch geformten Stilmitteln präsentiert wird. Der Warencharakter der künstlichen Welt drückt sich aber besonders darin aus, dass man per Knopfdruck darüber entscheiden kann, ob und wann man die Welt nun sehen will oder eben nicht.

Wir sehen nur das, was wir erwarten

Was damals die Kanalwählschalter der ersten Fernseher waren, ist heute unsere Computer-Maus. Sie wählt den Kanal aus, der ein harmonisches Übereinstimmen mit unseren Wünschen liefern kann. So lesen konservativ eingestellte Leser Zeitungen, Bücher und Websites, die diesen Lebensstil begründen können. Progressive Menschen bevorzugen die Herausforderungen mit dem ständigen Blick auf die drohende Zukunft. Dazwischen befindet sich eine große Menge von Menschen, die durch den modernen Hochleistungs-Lebensstil so erschöpft sind, dass sie den Zeitpunkt des Tiefschlafs nur noch mit künstlicher Berieselung herauszögern können. In diesem, dem Wachkoma ähnlichen Zustand sind sie höchstens noch in der Lage, kohlenhydratreiche Kost und Unterhaltung zu konsumieren.

An dieser Stelle setzen die Internetkonzerne an. Wer es geschafft hat, dem Wachkoma zu entkommen, darf seit diesem Jahr selbst bestimmten, wer die beste Weltsicht verbreitet. Die Fernbedienung hat sich damit von der klickenden Maus in die Statistiken der Googles dieser Welt verlagert. Von jetzt an wird ohne unser Zutun der Kanal für uns so eingestellt, dass wir immer nur das sehen, was wir erwarten. In Amerika wurde dieser Vorgang unlängst als „filter bubble“ diskreditiert. Offenbar wusste der Autor Eli Pariser noch nicht, dass wir diese Hoheit über die Vermittlung der Welt auch mit der Fernbedienung nie hatten. Insofern ist es nur konsequent, wenn wir nun immer selbst über das bestimmen, was uns die Medien im Netz morgen nicht liefern werden.

Das, was als Müll im Internet gilt, ist der wahre Schatz

Eli Pariser hatte in seinem im Frühjahr auch auf Deutsch erschienenen Buch „The Filter Bubble“ darauf aufmerksam gemacht, dass wir in sozialen Netzwerken und bei Suchmaschinen immer mehr die zukünftigen Ergebnisse der Suchvorgänge und die präsentierten Inhalte bei Facebook beeinflussen. Denn automatisierte Regelwerke wie die Algorithmen der Informatiker begleiten jeden unserer Klicks und lernen unsere Vorlieben kennen. Sie bestimmen dann über die zukünftig unterlassenen Inhalte und bevorzugen bestimmte Quellen und Themen, ja, sogar Personen.

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