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Robotik-Spezialist Sebastian Thrun : Verändert er die Welt?

Wie ein Klon-Krieger: Das neue Roboter-Modell

Ein Lexus ist frei geworden, wir steigen ein, Fahrer und Beifahrer tragen wie in einem schlechten Agentenfilm denselben Vornamen, der eine lenkt, zumindest ein Weilchen, der andere prüft, ob die Software ordnungsgemäß läuft. Das Kalibrieren der Messinstrumente dauert einige Minuten, dann nimmt Rick eins fast unmerklich die rechte Hand vom Lenkrad, behält aber mit der linken Kontakt, während Rick zwei das Geschehen in bunter Linienumrissform auf dem Laptop verfolgt. Jetzt fährt der Computer das Auto, was sich als ziemlich unspektakuläre Angelegenheit herausstellt. Doch allein die Tatsache, dass man so empfindet, ist im Grunde unfassbar spektakulär. Man sitzt in einem Auto, das alle Verkehrsregeln kennt, sich selbst steuert und kleinste Unvorhersehbarkeiten parieren muss, um keinen Unfall zu verursachen, und empfindet das alles als vollkommen normal. „Unser System muss die Straße vorher kartiert haben. Nach einem manuellen Abfahren der Strecke führt die Sensorik des Fahrzeuges die Daten auf einer sehr genauen 3-D-Karte zusammen. Die weiß genau, wo die Spurmarkierungen, wo die Ampeln und die Bordsteine sind. Wir erkennen eine Spurumleitung und Schilder, wir können ihnen folgen. Neuerdings fahren wir sogar durch Baustellen.“

Als Sebastian Thrun im Jahr 2003 als frischgebackener Associate-Professor und Leiter des Artificial Intelligence Lab in Stanford für das Racing Team der Universität mit der Programmierung selbstfahrender Autos begann, fuhr das beste ohne Zwischenfälle etwa fünf Kilometer weit, bevor irgendein Programmfehler auftrat. Getestet wurde in der brütenden Hitze der Mojave-Wüste - so sollten die Bedingungen der von der Militärforschungsbehörde Darpa organisierten „Grand Challenge 2005“ simuliert werden. Das Team steigerte sich Kilometer für Kilometer, bis der „Stanley“ genannte VW Touareg Monate später nach über zweihundert Kilometern als Sieger durchs Ziel fuhr. Die vom Verteidigungsministerium ausgelobte Gewinnsumme betrug zwei Millionen Dollar, der Wagen steht heute im Smithsonian Museum of American History.

Jeder Bordstein ist gescannt

Google-Mitgründer Larry Page verfolgte das Rennen incognito am Streckenrand, lud Thrun anschließend zum Essen ein und entwickelte mit ihm die Idee eines selbstfahrenden Straßenautos. Parallel zu seinen Stanford-Aktivitäten baute Thrun das geheim gehaltene Forschungslabor Google X auf und entwarf die Street View. Inzwischen haben die selbstfahrenden Roboter-Autos, die unter seiner Ägide entwickelt wurden, mehr als 200.000 Kilometer ohne größere Zwischenfälle hinter sich gebracht. In Nevada sind sie seit Mai auf der Straße erlaubt, in Kalifornien befindet sich ein ähnliches Gesetz im Abstimmungsprozess, die Testfahrten sind schon jetzt legal.

Unerschrocken schnurrt unser Auto in geringstmöglichem Abstand über den Highway. Bis zu einer Entfernung von zweihundert Metern erfasst die Sensorik jede Bewegung, sagt Thrun. „Wir wissen auf den Zentimeter genau, wo andere Fahrzeuge oder Fußgänger sind. Lange bevor das menschliche Auge erkennt, dass ein anderes Fahrzeug die Spur zu wechseln gedenkt, haben wir das schon registriert.“

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