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Künstliche Intelligenz : Ein Geist aus Software

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Ohne Motor

Man kann einen Computer und einen Menschen anleiten, sich eine Rose vorzustellen und sie zu beschreiben. Womöglich erhält man zwei gleichartige Beschreibungen und kann nicht entscheiden, welche vom Computer und welche vom Menschen stammt. Aber es besteht ein wichtiger Unterschied: Der Mensch sieht und erfasst vor seinem geistigen Auge eine Rose; er kann sich ihre Farbe und ihren Geruch vorstellen und wie sie sich anfühlt.

Für den Computer gibt es keine imaginäre Rose und keine innere geistige Welt, nur eine Leere. (Philosophisch gesprochen ist dies das Problem der „fehlenden Qualia“.)

Auch gingen das menschliche Bewusstsein und Denken mit der Genmutation aus einem Mechanismus hervor, der - unter dem kompromisslosen Druck der Frage von Überleben oder Tod - unzählige nuancierte Variationen zu testen erlaubte. Keine dieser beiden Ausgangsbedingungen gilt für das Internet, wie wir es kennen. Die Erwartung, dass aus dem Internet heraus Intelligenz entsteht, ist wie die Erwartung, ein Auto zum Fahren zu bringen, indem man aufs Gaspedal tritt, selbst wenn es keinen Motor hat.

Sie könnten immerhin so wirken, als dächten sie

Soweit wir wissen, gibt es keine Möglichkeit, Bewusstsein in einem Computer oder einer beliebigen Ansammlung von Computern hervorzubringen. Jedoch - und dies ist der interessante (oder auch gefährliche) Aspekt bei der Sache - gibt uns das kognitive Spektrum, sobald wir seine Funktionsweise bis in die Details verstehen, eine Richtschnur zur Konstruktion simulierten oder künstlichen Denkens an die Hand. Wir können Softwaremodelle des Bewusstseins und des Gedächtnisses entwickeln und sie anschließend in rhythmische Bewegung versetzen.

Das Ergebnis wäre ein Computer, der zu denken scheint. Dies wäre ein Zombie, ein Wort, das Philosophen der Science-Fiction-Literatur und Hollywoodfilmen entlehnt haben: ein Computer, der keine innere geistige Welt hätte und faktisch unbewusst wäre. Praktisch gesehen würde dies jedoch keinen Unterschied machen. Der Computer würde grübeln, sich unterhalten und Probleme lösen wie ein Mensch. Und wir hätten künstliches oder simuliertes Denken, „künstliche Intelligenz“, geschaffen.

Als wäre der Computer glücklich

Davor aber wären gewaltige technische Probleme zu überwinden. Nur ein Beispiel: Es kann kein kognitives Spektrum ohne Gefühle geben. Gefühle werden in dem Maß, in dem die Konzentration nachlässt und das Wiedererleben an die Stelle des Abrufens tritt, zu einer immer wichtigeren Brücke zwischen einzelnen Gedanken. Computer haben sich stets als gute Modelle des menschlichen Gehirns dargestellt; im weitesten Sinn sind sowohl der digitale Rechner als auch das Gehirn Informationsprozessoren. Gefühle jedoch werden hervorgerufen, indem Gehirn und Körper zusammenarbeiten. Wenn man glücklich ist, hat man eine bestimmte Körperempfindung; der Geist registriert dies; und die Resonanz zwischen Körper und Geist bringt ein Gefühl hervor. „Ich sage es noch einmal, dass der Körper den Geist macht“ (John Donne).

Die natürliche Parallele zwischen Computer und Gehirn gilt nicht für das Verhältnis von Computer und Körper. Doch wird das künstliche Denken ein Softwaremodell des Körpers erfordern, um ein gutes Modell der Gefühle zu bekommen, wie es für das künstliche Denken unabdingbar ist. Mit anderen Worten: Künstliches Denken erfordert künstliche Gefühle, und simulierte Gefühle sind an sich ein großes Problem. (Die Lösung wird wahrscheinlich die Form einer Software annehmen, die darauf „trainiert“ ist, die emotionalen Reaktionen eines bestimmten menschlichen Subjekts zu imitieren.)

Eines Tages werden all diese Probleme gelöst sein, wird das künstliche Denken realisiert sein. Selbst dann aber wird ein künstlich intelligenter Computer nichts erfahren und kein Bewusstsein von irgendetwas haben. Er wird vielleicht sagen: „Das macht mich glücklich“, aber nicht glücklich sein. Immerhin: Er wird agieren, als ob er es wäre. Er wird wie ein intelligentes menschliches Wesen agieren.

Und was dann?

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