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Künstliche Intelligenz : Ein Geist aus Software

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Die Kreativität hat die Menschen schon immer fasziniert. Die Kognitionspsychologen sind sich einig, dass etwas Kreatives geschieht, wenn eine neue Analogie erfunden wird. Wenn unser Geist zwei Dinge verbindet, zwischen denen normalerweise keine Verbindung besteht - den ersten Flug des Jungvogels und den Sprung in einer Teetasse, um Rilkes Beispiel zu verwenden -, dann haben wir eine neue Analogie und die Grundlage dafür, die Welt in neuem Licht zu sehen. (Rilke zieht eine Art Schluss aus seiner neuen Analogie: „So reißt die Spur / der Fleder-maus durchs Porzellan des Abends.“ Von allen großen lyrischen Dichtern hatte vielleicht nur Keats einen für die Bildlichkeit noch fruchtbareren Geist.)

Die meisten neuen Analogien führen zu nichts, doch manchmal enthüllen sie etwas Wichtiges. Kreativität stellt sich nicht ein, wenn wir hochkonzentriert sind; nur wenn unsere Gedanken zu schweifen begonnen haben, ist sie möglich. Wir finden kreative Lösungen für ein Problem, wenn wir es vage im Hinterkopf behalten, und nicht, wenn es sich in den Vordergrund drängt und unsere Aufmerksamkeit voll in Beschlag nimmt. Wir können uns nicht zwingen, einzuschlafen, genauso wenig wie wir uns zwingen können, eine kreative Inspiration zu haben (während wir uns dazu zwingen können, eine Rechenaufgabe zu lösen). Schlaf und Kreativität stellen sich nur ein, wenn unsere Gedanken sich unserer Kontrolle entziehen.

Wie es sich anfühlt

Was uns zu einer letzten Beobachtung führt. Wie ersinnen wir neue Analogien? Dies ist eines der großen ungelösten Probleme der Kognitionswissenschaften. Oftmals sind erinnerte und wiedererlebte Gefühle der Schlüssel zu neuen, unerwarteten Analogien. Gefühle fassen Erfahrungen zusammen. Wenn das subtile Gefühl, das man am ersten warmen und heiteren Frühlingstag empfindet (ein Gefühl, für das es keinen Namen gibt), dem Gefühl gleicht, mit dem man zum ersten Mal neben seiner Auserwählten im Kino saß, dann könnte diese besondere Emotion beide Ereignisse miteinander verknüpfen; und der erste warme Frühlingstag im nächsten Jahr könnte dazu führen, dass man sich an das Mädchen und den Film erinnert.

Kein Computer wird je kreativ sein, wenn er nicht alle Nuancen des menschlichen Gefühlslebens zu simulieren vermag.

Wenn wir an Gefühle denken, neigen wir dazu, sie in ein paar Primärfarben zu sehen: glücklich, traurig, wütend . . . Unsere wirklichen Gefühlszustände sind jedoch nahezu immer wesentlich subtiler und komplexer. Wie fühlt man sich, wenn man einen Tennisball hart und gut getroffen hat oder einen Nagel mit zwei perfekten Hammerschlägen in ein Brett getrieben hat? Wenn man als Erwachsener zum ersten Mal wieder in die Schule kommt, in die man als Kind gegangen ist? Wenn man die Kirchtürme von Chartres am Horizont auftauchen sieht oder die Freundin des eigenen Sohns einen an eine junge Frau erinnert, die man einmal gekannt hat? Oder der Tag sich plötzlich verfinstert und ein Gewitter aufzieht, oder unser bester Freund im Begriff ist, einen Riesenfehler zu begehen, wir es ihm aber nicht sagen können?

Kodierte Erfahrung

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