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Künstliche Intelligenz : Ein Geist aus Software

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Wir denken unterschiedlich, je nachdem, ob wir wachsam oder nicht wachsam, also schläfrig sind. Um analytische oder mathematische Probleme zu lösen, um scharf nachzudenken oder logisch zu denken, müssen wir wachsam sein.

Die Grundtatsache des menschlichen Denkens

Auf der anderen Seite spielt auch geringe Wachsamkeit eine wichtige Rolle: In diesem Zustand neigen unsere Gedanken dazu, aus eigener Kraft, ohne unsere bewusste Regie zu wandern. Wenn wir schon fast am Einschlafen sind, durchziehen Gedanken unseren Geist, die wir nicht bewusst steuern. Wie der Dichter Shelley sagt: „Des Menschen Geist durchziehn voll Kraft die Wellen / Des Alls der Dinge in gewaltigem Fließen ...“

In diesem Zustand der freien Assoziation ähnelt jeder neue Gedanke dem vorherigen, oder er überschneidet oder verbindet sich mit ihm. Während unsere Wachsamkeit immer weiter nachlässt und wir immer müder werden, verlieren wir den Kontakt mit der äußeren Realität. „Unter schläfernden Lidern deiner leichten Gestaltung / Süße lösend in den gekosteten Vorschlaf -.“ Schließlich schlafen und träumen wir.

Daraus folgt, dass der Grad unserer Konzentration oder Wachsamkeit wesentlich für das menschliche Denken ist. Wir können uns die Konzentration als einen physiologischen Wert gleich der Herzfrequenz oder Körpertemperatur vorstellen. Die Konzentration eines jeden Menschen schwankt im Tagesverlauf zwischen ihrem Höhepunkt und ihrem Tiefpunkt. Sie ist auf ihrem Höhepunkt, wenn wir hellwach sind. Sie sinkt, wenn wir müde werden, und erreicht ihren Tiefpunkt, wenn wir schlafen. (In Wirklichkeit pendelt sie mehrfach am Tag auf und ab.) Dieses Kontinuum an Gedankenstilen ist das „kognitive Spektrum“, die Grundtatsache des menschlichen Denkens.

Von außen oder von innen

Warum aber erleiden wir einen Realitätsverlust, wenn wir einschlafen und träumen? Wie geht das vor sich? Unser Geist speichert Erinnerungen, von denen manche erinnerte Begebenheiten oder Erfahrungen sind.

Jede erinnerte Erfahrung ist potentiell eine alternative Realität. Solche Erfahrungen im herkömmlichen Sinn zu erinnern - sich also an „den Strand vom vergangenen Sommer“ zu erinnern -, heißt eigentlich, die Erinnerung von außen zu betrachten. Doch gibt es noch eine andere Art von Erinnerung: Manchmal läuft die Erinnerung an „den Strand vom vergangenen Sommer“ darauf hinaus, von neuem in die Erfahrung einzutreten, den Strand vom vergangenen Sommer erneut zu erleben: das Meer zu sehen, die Wellen zu hören, den Sonnenschein und den Sand zu spüren; die potentielle Realität, die im Gedächtnis eingekapselt ist, real werden zu lassen.

(Eine Analogie dazu wäre: Wir speichern potentielle Energie in einem Gegenstand, indem wir ihn gegen die Schwerkraft anheben. Wir speichern potentielle Realität in unseren Köpfen, indem wir eine Erinnerung hervorbringen.)

Wie die Traumlogik Erinnerungen verändert

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