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Internet-Experte Peter Kruse : Der Vollweise

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Des Internets Muse: Peter Kruse, Organisationspsychologe und Unternehmensberater Bild:

Peter Kruse gilt im Internet vielen als Guru, als „Netzwerkpapst“ und „Vordenker“. Dabei gehört er auch nur zu den Leuten, die das Einfache kompliziert erklären und sich als Berater ausgeben.

          Man muss ihn gar nicht hören; schon wenn man ihn sieht, denkt man: Der Mann ist alles in einem - Faust, Luther und Moses, dazu vielleicht noch eine Prise Peeperkorn. Von Faust hat er den Wissensdrang, von Luther das „Hier stehe ich und kann nicht anders“, von Moses das Gesetzgeberische und von Peeperkorn die Neigung, viel zu sagen, ohne dass man hinterher immer wüsste, was. „Ja, mein Name ist Peter Kruse. Ich arbeite eigentlich ... im Moment ... kann man sagen ... als Unternehmensberater.“ Das Zögerliche in dieser auf Youtube abzurufenden Selbstvorstellung ist die Ausnahme. Normalerweise spricht er so, dass man schwer dazwischenkommt. Kruse redet mit der Attitüde dessen, der alles überblickt.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Er ist „Deutschlands Change-Management-Papst“ (so die Zeitschrift „Computerwoche“), „Netzwerkpapst“ (Blogger), „Vordenker der neuen Wissenskultur“ („taz“) oder einfach „Deutschlands Querdenker Nummer 1“ (das Weiterbildungsmagazin „managerSeminare“). Solche Zuschreibungen sind symptomatisch in einer Zeit, in der Berater in die letzten Winkel der Gesellschaft vordringen und die Öffentlichkeit, zumal im Internet, dankbar ist für jeden, der tut, als könne er Ordnung schaffen, und sei es nur dadurch, dass er sagt, es gebe diese Ordnung gar nicht.

          Ein Lob, das auch auf einen Fußballtrainer passen würde

          Was die Unternehmensberatung betrifft, so hat Kruse dafür in Bremen eine eigene Firma, die „Nextpractice“ heißt. Sie führt mustergültig die Vermischung der Sphären von politischer und wirtschaftlicher Beratung vor - ein Geflecht aus Interessen und Zuständigkeiten, das umso undurchschaubarer wird, als Kruse auch als Internetexperte von sich reden macht. Auf der Homepage springt der Anspruch, über alles mitzureden und in alles hineinzuwirken, in die Augen. Auf einem Foto sieht man den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan; was der mit Nextpractice zu tun hat, bleibt unklar.

          Die Referenzen, die Nextpractice anführt, fallen naturgemäß positiv aus; aber ein Bezug zu einer konkreten Zusammenarbeit ist oft gar nicht erkennbar. Es wird einfach, oft aus berufenem Munde wie dem Michael Ottos von der Otto Group, ein Lob zitiert, das auch auf die Arbeit eines Fußballtrainers passen würde, etwa der Kommentar von Neil Budde vom „Wall Street Journal“: „Eine exzellente Art, sich auf die strategischen Hauptpunkte zu konzentrieren.“

          Die Nextpractice-Homepage führt eine „Kundenliste“ mit mehr als fünfzig bekannten Firmen, von Agfa und BASF über Media Markt bis hin zu Obi und VW. Hört man sich dort jedoch um, so ist nicht ein einziger Pressesprecher auf Anhieb in der Lage, Auskunft zu geben; niemand unter den Pressesprechern hat von dieser Firma oder deren Leiter jemals etwas gehört. Bei BASF, Daimler-Benz und Thyssen findet man nach Tagen heraus, dass es einmal eine Zusammenarbeit gab, über die jedoch nichts Näheres gesagt wird. Bei Eon Ruhrgas hat Kruse über sein Steckenpferd, das sogenannte Change Management, referiert. Andere Firmen, zum Beispiel Obi, wo Kruse einmal einen Vortrag gehalten hat, oder Media Markt, wo ihn zumindest heute niemand kennt, erfahren erst durch diese Nachfrage davon, dass Nextpractice sich mit ihrem Namen schmückt.

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