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Gespräch mit Google-Chef Eric Schmidt : Offenheit ist meine Religion

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Ein großer Streit im Internet dreht sich zurzeit um die Netzneutralität, also die Frage, ob Netzbetreiber alle Daten gleich behandeln müssen oder die Daten zahlender Kunden bevorzugt transportieren dürfen. Google hat mit dem gemeinsamen Vorschlag mit dem Netzbetreiber Verizon zur Netzneutralität große Entrüstung hervorgerufen, die bis zum Vorwurf des Verrats am freien Internet ging. Stimmt das?

Zuerst: Der Großteil des Internets heute ist kabelgebunden, nicht mobil. Unser Vorschlag an den amerikanischen Kongress war, die volle Netzneutralität im kabelgebundenen Internet zu garantieren. Einige Leute haben bewusst gelogen und unsere Meinung falsch wiedergegeben.

Aber die Netzbetreiber bauen gerade Überholspuren im mobilen Internet ein, um ein Zwei-Klassen-Internet zu schaffen. Spätestens mit dem Start der vierten Mobilfunkgeneration LTE wollen sie die Netzneutralität aufweichen.

Der Wettbewerb um das mobile Internet ist so groß, dass der Markt die richtige Antwort gibt. Wenn die Kunden das nicht wollen, werden sie den Netzbetreiber wechseln.

War Ihnen klar, welche Reaktionen Ihr Vorschlag auslösen würde?

Die Reaktionen waren schärfer, als wir erwartet haben. Das lag auch daran, dass einige Leute uns falsch wiedergegeben haben. Vieles von dem, was geschrieben wurde, ist einfach falsch. Wir haben unsere Politik nicht geändert. Wir haben keinen Deal mit Verizon, wir kaufen keinen bevorzugten Datenverkehr. Also klare Antwort auf alle der drei Fragen: No, no, no, no.

Aber die Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom fordern doch Geld von Google, weil Google und Youtube so viele Daten durchs Netz transportieren. Werden Sie zahlen?

Die Netzbetreiber bekommen kein Geld von Google. Das ist eine schlechte Strategie. Wir zahlen nicht für den Traffic. Das ist eine ganz klare Aussage.

Und Google wird auch nicht in Zukunft für solchen bevorzugten Traffic zahlen?

Nein.

Sie sagten, Sie wollen Probleme immer von der Konsumentenseite her lösen. Persönlich zugeschnittene Informationen und Werbung ist Ihr Geschäft. Muss es da nicht das Ziel sein, dass Google auch sehr persönliche und wertvolle Daten sammelt und auswertet, zum Beispiel medizinische Informationen oder gar Genominformationen, wenn wir eines Tages alle unser Genom entschlüsselt und digitalisiert haben?

Medizinische Informationen sind gesetzlich geschützt, in Amerika genauso wie in Europa. Ich halte zudem das Szenario, dass jeder sein Genom entschlüsselt hat, für sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn es so wäre, gäbe viele juristische Hürden, solche Daten im Internet zu nutzen. Wir wollen das jedenfalls nicht.

Google spricht gerne davon, den Verlegern im Internet helfen zu wollen, Geld zu verdienen. Wie denn genau?

Wir entwickeln ein Bezahlsystem für Verleger. Sie sollten ihre Informationen auf allen verfügbaren Plattformen verkaufen können, ob es nun das iPad ist oder das Web. Das System ist aber noch nicht fertig. Wir sprechen aber zurzeit mit vielen amerikanischen und europäischen Verlegern über das Thema.

Eric Schmidt , 55, ist in Washington DC geboren. Der Informatiker und Manager leitet seit 2001 die Geschäfte von Google und ist seit zwei Jahren Berater von Präsident Obama in Technologiefragen. Seine Abschlussrede war Höhepunkt der diesjährigen Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin.

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