https://www.faz.net/-gsf-15mpl

Endstation App-Store : Das iPad ist nur eine Fernbedienung

  • -Aktualisiert am

Und stellen wir uns einmal vor, wie das Internet aussähe, hätte es die App-Stores schon in den neunziger Jahren gegeben: keine alternativen Browser wie Firefox, keine Wikipedia, keine Weblogs und kein YouTube, und auch Google wäre mit seiner spartanischen Suchmaschine sicher nicht am Torwächter der App-Stores vorbeigekommen. Stattdessen „Unterschichtenfernsehen“ auf allen Kanälen, garniert mit ein paar Diskussionsforen und CNN News als kulturellem Feigenblatt. Das hätten wir dann allerdings vermutlich zu einer Flatrate bekommen und dafür noch mehr Werbung, als wir jetzt in Kauf nehmen müssen.

Entmündigung der Nutzer

Das iPad ist also kein Computer im Sinne einer Universalmaschine mehr, sondern eine Abspielplattform für die Inhalte der Medienkonzerne. Das iPad macht aus dem Two-Way-Web wieder eine Einbahnstraße und zwar eine, für deren Nutzung gezahlt werden muss.

Das führt letztlich zur Entmündigung der Nutzer. Der für das soziale Netzwerk Twitter arbeitende Autor und Programmierer Alex Payne, eigentlich ein Mac- Enthusiast, formuliert es drastisch: „Was mich am meisten am iPad stört, ist dies: Hätte ich als Kind anstelle eines richtigen Computers nur ein iPad gehabt, wäre ich nie ein Programmierer geworden.“ Möglicherweise läutet das iPad das Ende einer „Hacker-Ära“ ein und entmündigt uns mit klinisch reinen Anwendungen, die zwar praktisch sein mögen, aber jede Kreativität im Keim ersticken. Für mich jedenfalls steht fest: Ein Computer, auf dem keine einzige Programmiersprache läuft, ist kein Computer, sondern eine Fernbedienung.

Digitaler Exorzismus

Wird das iPad dennoch ein Erfolg? Ich hoffe es. Denn Google hat schon angekündigt, falls das iPad erfolgreich sei, mit einem eigenen Tablet-Computer nachzustoßen. Und Google hat dafür mindestens ein Betriebssystem, das diesen Namen verdient: „Android“ ist eine freie und quelloffene Plattform für Mobiltelefone, für die jeder Software schreiben und verkaufen darf. Es basiert, wie Googles zweites, ebenfalls freies und quelloffenes Betriebssystem, „Chrome OS“, das für Netbooks gedacht ist, auf Linux und bringt eine Java Virtuelle Maschine (JVM), also eine Umgebung, in der Java-Programme laufen, mit.

Ob Googles Tablet mit Android oder Chrome OS oder einer Mixtur aus beiden läuft, ist unerheblich, denn Google hat das Internet verstanden: Es kann sich nur entfalten, wenn sich Ideen auf offenen Plattformen unreglementiert und meist ohne kommerziellen Hintergedanken manifestieren. Solange ich Google „nur“ meine Seele, also meine Daten, schenke, verwöhnt mich die Datenkrake mit Open-Source-Software und der Idee eines freien Internets. Das liegt sicher auch an den unterschiedlichen Geschäftsverhältnissen: Mit Apple stehe ich in einer direkten Geschäftsbeziehung und kaufe Produkte. Umgekehrt steht Google mit mir in einer Geschäftsbeziehung und möchte von mir meine Daten haben. Im ersten Fall bin ich Käufer, im zweiten Fall Anbieter.

Um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen: Ich sehe die Datenkrake Google durchaus kritisch und bin ein begeisterter Nutzer der Apple-Computer. Aber das Internet ist schon eine seltsame Welt. In ihr muss man Apple mit Google austreiben.

Weitere Themen

Topmeldungen

Lieber was Eigenes: Ein Einwohner von Wuhan erhält eine Impfung mit dem chinesischen Sinopharm-Vakzin.

Impfstoffe : China bremst BioNTech aus

Die Verhandlungen liefen bereits, man war zuversichtlich. Eine Milliarde Impfstoffdosen im Jahr wollte das Unternehmen auf dem größten Markt der Welt verkaufen. Doch daraus wird wohl nichts.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.