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Dossier : Deutsche Blogger

  • -Aktualisiert am

Das Problem hat sich der Blogosphäre in den letzten Jahren immer wieder gestellt, ohne dass sie dazu eine klare Haltung eingenommen hätte, und meistens ging es dabei im Geld. Felix Schwenzel kann an der Sache mit Opel nichts Falsches finden, aber als sich vor einem Jahr eine Mobilfunkfirma von ein paar Bloggern bewerben ließ, entschied er sich dagegen zu sein, der Wirkung wegen. Er suchte sich eine Bloggerin, machte sich über denen Texte lustig, und innerhalb von Tagen war ihr Name bekannt und sie bekam dutzende Kommentaren, von denen sie einige so verletzten, das sie ihr Blog einstellte. Dabei waren ihre Texte über die Mobilfunkfirma auch nicht schlechter als seine über Opel.

* * *

Geld ist früh ein Thema gewesen in der Blogosphäre und eins geblieben. Die einen lehnen es ab, weil Bloggen ihr Hobby ist und sie sich nicht an einen Markt anschließen wollen, in dem alles verwertbar sein muss. Für die anderen ist es das einzige Mittel, etwas Haltbares aufzubauen, das nicht von der nächsten Neuerung eingeebnet wird. Für sehr wenige hängt daran die Idee, sie selbst seien irgendwie umzumünzen. „Ich mach Euch alle reich“, hatte Sascha Lobo gesagt, als er verkündete, dass Johnny Haeusler und er eine Firma gegründet haben, die Blogs vermarkten werde. In Wahrheit aber können vom Bloggen bis heute nur Leute leben, deren Inhalte für die Werbung interessant sind, weil sie sich mit Mode oder Technik beschäftigen. Für Blogs, die sich auf die Persönlichkeit ihres Bloggers verlassen, trifft das selten zu. Einige von ihnen sind inzwischen bei Verlagen unter Vertrag, andere leben von Beratung, wieder andere bringen Journalisten für das Arbeitsamt Bloggen bei.

Johnny Haeusler ist inzwischen bei der Zeit angekommen, als sie angefangen haben. Er sucht in seinem Computer nach Fotos von den Partys, die sie damals gemacht haben und wundert sich, dass das alles erst fünf, sechs Jahre her sein soll.
„Es ist, als rede Opa vom Krieg“, sagt er.

Er hatte nach dem Artikel über Jamba neue Autoren zu spreeblick geholt. Er dachte, er würde Bücher mit ihren Texten herausgeben, aber er hat auch gedacht, dass sich Blogs vermarkten lassen. Irgendwie ist es nie richtig abgehoben, und inzwischen muss er einsehen, dass seine Leser das Blog verfolgen, aber die Werbung blockieren, mit der er dafür Geld verdienen würde. Früher hätte ihn das vielleicht noch nicht geärgert, aber er hat jetzt zwei Kinder, seine Frau arbeitet auch bei spreeblick, er kann nicht mehr von ein paar hundert Euro im Monat leben.
„Wenn man kein Geld damit verdient, bleibt es ein Hobby“, sagt er, „und ich will es nicht als Hobby. Das ist nicht mein Ding.“

Er spricht über die Twitterer, die sich einfach Teile aus seinem Blog herausziehen und ins Netz schicken, ohne dass er davon etwas hätte, keine Kommentare, kaum Besucher, aber dann will er nicht reden wie die Zeitungsjournalisten, die sich aus denselben Gründen über Blogs beklagen.
„Ich bin jetzt Mitte vierzig“, sagt er, „ich muss überlegen, wie es weitergeht.“

Als man ihn am Ende fragt, ob er junge Blogger kenne, ist er genauso ratlos wie jeder andere, den man zuvor gefragt hatte. Keiner konnte Namen nennen. Es ist, als sei da etwas hinter ihnen abgerissen, und sie haben es nicht einmal gemerkt, so beschäftigt waren sie mit sich.
„Keine Ahnung, wo jetzt alle sind“, sagt er.

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