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Dossier : Deutsche Blogger

  • -Aktualisiert am

Nach einer Weile stellt Frank Westphal fest, dass rivva Blogs anzeigte, die er nicht eingestellt hatte. Sie mussten mit den ursprünglichen sieben zusammenhängen und so oft mit ihnen kommuniziert haben, dass sie die Aufmerksamkeitsschwelle des Filters übersprungen hatten. Immer mehr Blogs tauchten auf wie neue Arten, das freute Frank Westphal, er sah es als Beweis für Verschiedenartigkeit. Aber dann stellt er fest, dass nie ein Blog hinzukam, der sich mit etwas anderem als Netz und Medien beschäftigte, als sei dieser Bereich innerhalb der Blogosphäre eine Insel. Das war das eine. Das andere war, dass auf dieser Insel alle auch noch über dieselben Geschichten redeten.
„Es war, als hätte ich einen Inzest organisiert“, sagt er.

Frank Westphal wollte sich mit rivva einen Überblick über die Blogs verschaffen, aber so bekamen die Blogs eine Übersicht über sich selbst. Jeder, der die Seite aufrief, konnte sehen, ob es sein Text unter die 25 Geschichten geschafft hatte, die rivva auswählt und falls ja, an welche Stelle. Es entstand eine Bewegung, die nur um sich selbst kreiste und in der kaum einmal ein fremder Gedanke auftauchte, so wie die Meldung rechts unten in der Zeitung, über die Frank Westphal sich freut, wenn er sie findet, weil sie ihm etwas erzählt, das er nicht erwartet hatte. Diese Tendenz zur Mitte, die hat ihn erschreckt.
„Wenn rivva die Blogosphäre killen würde“, sagt er, „das hätt' ich nicht gewollt.“

Was er wollte, war einfach eine Maschine zu bauen, die macht, was der Mensch ihr sagt. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die Menschen auf sie reagieren würden, als sei es umgekehrt.

* * *

Wer sich die Karte der deutschen Blogosphäre ansieht, sieht, dass der Bereich, über den geredet wird, wenn über Blogs geredet wird, nur ein kleiner ist. Es gibt Blogs zu allen möglichen Themen außerhalb von Netz und Medien. Das beginnt beim Angeln, geht über Kochen und hört beim Stricken nicht auf. Blogs, die sich mit Mode beschäftigen, bilden eine der aktivsten Gemeinschaften, aber sie bleiben unter sich und haben kaum Überschneidungen zu anderen. Für sie ist das Blog ein Werkzeug, keine Lebenseinstellung. Deshalb stehen sie am Rande der Karte und der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Die Social Media Week ist nun eine dieser Veranstaltungen, auf denen die Blogosphäre sich wieder um sich selbst dreht. In einem Saal in Kreuzberg, in dem sonst ganz gute Bands spielen, stehen drei Sofas auf der Bühne, auf denen Leute versuchen, ein Gespräch zu führen, das zeitgleich ins Internet übertragen wird, damit es andere Leute von außen kommentieren können. Sie tun das über Twitter, einen Dienst, mit dem sie Nachrichten versenden, die dann auf einer Wand einlaufen, die im Rücken der Diskutanten aufgebaut ist. Manchmal sind die Nachrichten lustig, dann lacht das Publikum, und die Diskutanten, die nicht wissen worüber, drehen sich zur Wand um.

„Super scheiß Zusammenstellung“, läuft über die Wand. „Wir sind offenbar scheiße“, sagt Johnny Haeusler, der auf dem Podium sitzt und nun mit den anderen zusammen überlegt, ob das stimmt.

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