https://www.faz.net/-gsf-xtj5

Dossier : Deutsche Blogger

  • -Aktualisiert am

Er bloggt seit sechs Jahren aus Hannover, unter digitalpublic, aber er taucht in der Liste der wichtigen deutschen Blogs nie auf, dabei beschäftigt er sich mit fast nichts anderem. Er versucht, sich bekannt zu machen, indem er Kommentare in fremde Blogs schreibt und auf seinen eigenen verweist, er verfasst für andere Blogs hochkomplexe Artikel für fünfzig Euro, aber es ist schwer. Er ist jetzt Anfang vierzig und verdiente in manchen Monaten nur zweihundertfünfzig Euro. Um Geld kann es ihm nicht gehen.

„Das Internet“, sagt er, „ist das Vehikel, mit dem der Mensch aus seiner selbstgewählten Einsamkeit zu den anderen kommen kann.“

Einmal, erzählt Jörg Wittkewitz, sei Peter Handke auf einen seiner Einträge aufmerksam geworden und habe ihn treffen wollen, in Zürich. Leider hatte er kein Geld, dahinzufliegen.

Robin Meyer-Lucht erklärt sich am besten über sein Büro. Das Büro ist nicht groß, es liegen Papiere auf dem Boden herum, und der Schreibtisch darin sieht aus wie abgestellt, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass er von diesem Büro aus direkt auf das Kanzleramt schaut, weswegen er eine Kamera ans Fenster gestellt hat, deren Bild er auf seine Internetseite überträgt, damit jeder sieht, dass er aufs Kanzleramt schaut. Außerdem geht es darum, dass dieses Büro im Bundespressehaus liegt, das für die politische Redaktionen der Zeitungen und Zeitschriften gedacht war, weswegen es so aussieht, als habe er, einziger Blogger unter ihnen, mehr mit ihnen gemeinsam als nur das Schild am Eingang. Er habe ein wertiges Umfeld gewollt, sagt Robin Meyer-Lucht. Aber weil er von allen Bloggern, die man getroffen hat, der einzige ist, der kontrollieren will, womit er zitiert wird, sagt er das jetzt nicht.
Er sagt: „Für ein Einzelbüro war es eine der charmantesten Lösungen.“

Wie Jörg Wittkewitz Theorien fremder Denker aneinander knüpft, so hängt Robin Meyer-Lucht die Namen von Chefredakteuren, Geschäftsführern und Bloggern aneinander, mit denen er im Kontakt ist, damit sie auf seine Texte hinweisen, so wie er auf ihre, und dabei schaut er ständig auf seinem Handy nach, wie sein aktuellster Text auf einer Plattform namens rivva ankommt.
„Manchmal ist es, als sei man in einem Rudel“, sagt er.

Das Blog von Robin Meyer-Lucht heißt carta, es existiert erst seit zwei Jahren, hat sich aber schnell in die zehn bekanntesten Blogs Deutschlands hinaufgearbeitet. Die meisten Artikel drehen sich um die Themen Medien und Netz und stammen nicht von Robin Meyer-Lucht. Er sammelt sie von vierzig anderen Autoren ein, denen er pro Beitrag manchmal nur fünfzig Euro zahlt. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, sich als Journalist einen Namen zu machen, für den man als Berater Geld verlangen kann. Das ist so, als schreibe ein Theaterkritiker Rezensionen, um dem Intendanten später Ratschläge zu verkaufen, wie er eine bessere Spielzeit zustande bringt. Robin Meyer-Lucht sieht darin kein Problem. Die Erlössituation zwinge ihn zur Multifunktionalität, sagt er, will aber so nicht zitiert werden.

„Ich habe mich bewusst entschlossen, nicht ausschließlich als Journalist zu arbeiten. Weil ich Projekte konkret umsetzen möchte. Weil die Honorare nicht mehr zu ertragen sind. Zugleich ist es mir wichtig, mich auch als Autor zu äußern.“

Weitere Themen

Gestohlenes Klimt-Werk nach 20 Jahren wieder aufgetaucht Video-Seite öffnen

Sensationsfund : Gestohlenes Klimt-Werk nach 20 Jahren wieder aufgetaucht

Ein durch Zufall gefundenes Gemälde wurde als das vor mehr als 20 Jahren gestohlene Werk von Gustav Klimt "Bildnis einer Frau" identifiziert. Das Gemälde wurde im Dezember in der Außenmauer eines italienischen Museums in Piacenza entdeckt. Nun bestätigt die Museumsleitung, dass es sich bei dem Fund tatsächlich um das Original handelt.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.