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Dossier : Deutsche Blogger

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Ein Nachmittag im St Oberholz. Das Café ist voller Menschen, aber wer jetzt unter ihnen nach einer digitalen Bohme sucht, findet nur noch Leute mit Laptops. Sie sitzen an dem langen Holztisch, in den Sesseln, auf den Bänken an der Wand, und sind hinter ihren Tastaturen in Gespräche vertieft, die sich nur auf ihren Gesichtern ablesen lassen. Das Café ist heute einfach dafür bekannt, dass es bekannt ist. Internet gibt es natürlich immer noch umsonst.
„Aber das hat heute jeder“, sagt Luca Breveglieri.

Er ist siebzehn Jahre alt, und das Café bedeutet für ihn nur den Ort, der von seiner Schule aus dem Internet am nächsten liegt. Nach seiner letzten Stunde holt er sein Laptop aus dem Rucksack und ruft seine Seite bei Facebook auf, über die er fast alle seine Kontakte im Internet steuert. Auf dieser Seite verfolgt er die Handlungen von zweihundertelf Leuten, so wie sie seine verfolgen. Es sind Leute, mit denen er verwandt oder befreundet ist, und die er, darauf legt er Wert, alle persönlich kennt. Auf diese Weise hat er ein kleines Netz um sich gezogen, das ihn einerseits hält, damit er sich im großen Netz nicht verliert und anderseits filtert, was ihn von da erreicht.

Er stellt die Bilder aus, die er mit der Kamera macht, die er immer dabei hat. Er weist auf Lieder hin, die er auf Myspace gefunden, und auf Filme, die er auf youtube entdeckt hat. Er würde auch auf Blogs oder Zeitungen verweisen, wenn er welche lesen würde. Er kann etwas auf eine Pinnwand schreiben, dann lesen es alle oder jemandem eine persönliche Nachricht zukommen lassen, und all das tun seine Freunde auch. Außerdem ist er Mitglied in mehreren Gruppen. In einer tauscht er sich über das Karaoke in einem Berliner Park aus, in der anderen geht es darum, an einem bestimmten Tag der Woche einen Pullover zu tragen, hunderttausend Menschen, in einem Dutzend Länder, die an diesem Tag diese Gemeinsamkeit haben, und am nächsten Tag dann schon nicht mehr.

Facebook ist das am schnellsten wachsende soziale Netzwerk der Welt. Es umfasst auf ebendieser Welt vierhundert Millionen Menschen, in Deutschland sind es sechs Millionen. Aber würde die Frage, wer der wichtigste Blogger der Blogosphäre sei noch einen Sinn ergeben, die Frage wer der wichtigste Mensch auf Facebook ist, klingt, als habe einer das Werkzeug nicht verstanden. Es geht hier nicht um Bekanntheit, es geht um Bekanntschaft.

Luca Breveglieri nutzt Facebook, um sich eine Schneise in die große, weite und unendliche Welt des Internets zu schlagen, und diese Schneise bahnen ihm seine Freunde, so wie er sie ihnen bahnt. Mag sein, dass ein kleiner Ausschnitt ist, aber einer, den er überblicken kann. Es gibt darin keine Grenzen, keine Hierarchie und keinen Besitz. Im Moment ist das die Zukunft, eine Zeitlang wenigstens.

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