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Digitale Sicherheit : Das Recht auf Vernetzung

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Jarvis führt in seinem Entwurf einer Internet-Charta auch die Gewährleistung von Privatsphäre und Datenschutz auf – allerdings schränkt er diese zentralen Rechte durch sein Postulat „Was öffentlich ist, ist ein öffentliches Gut“ sogleich wieder ein. Die sogenannten Post-Privacy-Vertreter, zu deren Vorreitern sich Jarvis zählt, propagieren die Offenlegung der eigenen Daten. Die Modelle von Privatsphäre und Datenschutz in der digitalen Welt seien überholt; die grenzüberschreitenden Möglichkeiten des Internets und die neuen technischen Entwicklungen machten Datenschutz zum Kampf gegen Windmühlen. In der Sorglosigkeit vieler Nutzer sozialer Netzwerke beim Umgang mit den eigenen Daten liege vielmehr eine Chance, da sie die Isolation des Privaten aufbreche; soziale Ungleichgewichte würden durch eine transparente Gesellschaft gemindert.

Die Post-Privacy-Theorie geht also von der Annahme aus, eine Welt ohne Datenschutz sei besser, weil sie gesellschaftliche Tabus durch die Veröffentlichung persönlicher Einstellungen, Veranlagungen und Vorlieben aufhebe. Diese Ansicht, so provokant und überspitzt sie auch formuliert sein mag, ist grundfalsch und gefährlich – genau das Gegenteil ist der Fall: Der Grad der Freiheit einer Gesellschaft zeigt sich am Schutz des Einzelnen mit seinem natürlichen Bedürfnis nach Privatsphäre. Persönliche Daten sind keine abstrakte Größe aus Einsen und Nullen, sie sind die digitale Erfassung eines menschlichen Individuums.

Der Kontrollverlust darf nicht hingenommen werden

Als Marshall McLuhan „Das Medium ist die Botschaft“ schrieb, meinte er damit, dass in jeder Technologie zum Ausdruck komme, wie sie den Intellekt der Menschen anregt, welche Sinne sie anspricht und welche Erwartungen sie vernachlässigt. Der Glaube an einen ohnehin nicht mehr aufzuhaltenden Kontrollverlust ist Selbstaufgabe. Der Post-Privacy-Ansatz gibt die falsche Antwort auf die neuen Herausforderungen, denn er setzt auf Gleichgültigkeit und damit letztlich auf intellektuelle Kapitulation. Datenschützer und Verbraucherorganisationen führen auch keineswegs letzte Rückzugsgefechte, sondern bremsen die Datensammelwut von Staaten und Großkonzernen. Sie sind unverzichtbare Helfer beim Schutz der Bürgerrechte, auch gegen eine vermeintliche technische Übermacht. Gegen innovative Geschäftsmodelle ist selbstverständlich überhaupt nichts einzuwenden. Wenn aber einige wenige Konzerne wie Google oder Facebook unüberschaubare Datenberge und Informationen über Millionen Menschen anhäufen, aus denen sich Persönlichkeitsprofile erstellen lassen und die tiefe Einblicke in Privates ermöglichen, dann ist das beunruhigend. Die damit verbundene Machtfülle droht sich auf wenige private Großunternehmen zu konzentrieren, die sich grenzüberschreitend betätigen, was eine demokratisch legitimierte Kontrolle immer schwieriger macht.

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