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Denken im Internet-Zeitalter : Unser quälendes Unbehagen

  • -Aktualisiert am

Im digitalen Zeitalter müssen wir einen neuen Umgang mit Wissen lernen, denn wir werden die gigantischen Datenberge nicht mehr los. Eine neue Generation wird heranwachsen, der man die Dinge nicht mehr auf die alte Weise zu erklären braucht.

          Was ist Zeitlosigkeit? Man wird sie am besten als geschichtsphilosophisches Problem verstehen. Die Zeitlosigkeit betrifft die Natur des historischen Wissens. Sie wirft die Frage auf, was wir über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wissen können.

          Wie stellen wir die Geschichte dar und erklären sie uns? Worin besteht die Dynamik der Geschichte und der Zukünftigkeit? Was ist in der Vergangenheit geschehen, was geschieht jetzt? Was wird wahrscheinlich als Nächstes geschehen?

          Fragen wir uns zunächst, was eine zeitlose (atemporale) Situation von einer postmodernen (oder einer modernen oder einer klassischen) Situation unterscheidet. Der amerikanische Physiker Richard Feynman, ein sehr direkter und nüchterner wissenschaftlicher Denker, den ich außerordentlich schätze, hat intellektuelles Arbeiten einmal wie folgt charakterisiert:

          „1. Schreibe das Problem auf.
          2. Denke scharf nach.
          3. Schreibe die Lösung auf.“

          Eine bewundernswert geradlinige Aussage über die harte Arbeit, die der intellektuelle Arbeiter zu verrichten hat - die natürlich ein Witz ist, aber nicht nur. Feynman versucht es so einfach wie möglich zu sagen: Setzt euch einfach direkt mit dem intellektuellen Problem auseinander! Nur gibt es eine ungeprüfte Annahme in Feynmans Methode, und zwar in Schritt eins, beim Aufschreiben des Problems.

          Neun Schritte im Web 2.0

          Ich will Ihnen sagen, wie der zeitlose Richard Feynman an diese Aufgabe herangeht. Er ist kein großer Papierfreund, weil er in einer Netzkultur lebt.

          Ihm geht also auf, dass er vielleicht ein Problem hat, vielleicht aber auch nicht.

          1. Ich gebe das Problem in eine Suchmaschine ein, vielleicht hat es irgendjemand ja schon gelöst.
          2. Ich beschreibe das Problem in meinem Blog und studiere die Kommentare mitsamt ihren Links.
          3. Ich formuliere mein Problem mit nicht mehr als 140 Zeichen in Twitter - mal sehen, ob ich es so knapp zusammenfassen kann. Und ob es weitergetweetet wird.
          4. Ich mache ein quelloffenes Problem daraus und füge einige Instruktionen hinzu, die zeigen, wie weit ich gekommen bin, und schaue dann, ob die Gemeinschaft es ein Stück weiter schafft.
          5. Mit Hilfe von Ning starte ich ein soziales Netzwerk über mein Problem, benenne es nach ihm und warte ab, ob sich eine Gruppe um mein Problem bildet.
          6. Ich mache ein Video über mein Problem, lade es bei Youtube hoch und warte ab, ob es sich viral verbreitet und ob sich eine Medienkonzentration um es bildet.
          7. Ich mache einen Entwurf, der so tut, als wäre mein Problem schon gelöst, designe also irgendeinen Apparat, eine Anwendung, ein Produkt, das etwas mit meinem Problem zu tun hat, und schaue dann, ob jemand es wirklich baut.
          8. Ich verschärfe oder vergrößere mein Problem mit einer interventionistischen taktischen Medienaktion.
          9. und letztens: Ich suche im „Looking into the Past“-Pool der Online-Fotoplattform Flickr (bei dem jeweils ein historisches Foto mit einer passenden aktuellen Aufnahme kontrastiert wird) nach ein paar hübschen Illustrationen.







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