https://www.faz.net/-gsf-73002

Daniel Suarez im Gespräch : Schwärme von Tötungsmaschinen

  • Aktualisiert am

Die Zustimmung in der amerikanischen Bevölkerung zum Drohneneinsatz wird sich wahrscheinlich in dem Augenblick ändern, wenn die Vereinigten Staaten mit Drohnen angegriffen werden sollten. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werden Forderungen nach internationaler Zusammenarbeit laut, illegale Drohnenproduzenten auszumerzen und einen rechtlichen Rahmen für einen ausschließlich der Verteidigung dienenden Einsatz von Drohnen zu schaffen. Das halte ich für unwahrscheinlich. Oder es kommt, viel wahrscheinlicher, zu einer Eskalation, einem allseitigen Rüstungswettlauf im Bereich der Roboterwaffen. Und anders als nukleare, chemische oder biologische Waffen wird man diese Waffen mit größter Wahrscheinlichkeit auch einsetzen. Wenn kühlere Köpfe nicht die Oberhand behalten und wenn staatliche Führungen überreagieren, wird die Zivilgesellschaft die Verliererin sein.

Was könnte man tun, um das Abgleiten in eine Welt zu verhindern, wie Sie sie in „Kill Decision“ beschreiben?

Für zivile Drohnen gibt es vielfältige nützliche Einsatzmöglichkeiten, etwa bei der Suche und Rettung von Vermissten, in der Überwachung der Umwelt, bei der Erkundung von Rohstofflagerstätten und in vielen anderen Bereichen. Drohnen und andere Roboter werden sicher Bestand haben, und im Zuge der allgemeinen Verbesserung der Verarbeitungsleistung, der Speicher und der Sensoren werden sie zudem billiger und leistungsfähiger werden und eine größere Verbreitung finden. Man kann sich eine Welt vorstellen, in der zivile Drohnen durch einen Farbcode gekennzeichnet sind, zum Beispiel Grün für kommunale, Blau für staatliche und Rot für private Drohnen, in der jedes Gerät mit einer leicht erkennbaren Nummer versehen ist und außerdem auf einer Standardfrequenz eine eindeutig zuzuordnende ID sendet. Über diese ID sollte man in einem Web-Verzeichnis den Besitzer und möglicherweise über ein Interface nach Art von Google-Maps auch den aktuellen Standort sowie Ortsinformationen aus der Vergangenheit ermitteln können. Wenn es heute möglich ist, jedes Handy zu orten, sollte das auch bei autonomen Drohnen möglich sein. Im militärischen Bereich sind autonome Drohnen schon problematischer. Ich denke, die einzige Möglichkeit, eine albtraumhafte Entwicklung zu verhindern, wären internationale Verträge und internationale Zusammenarbeit. Das klingt langweilig, aber es hat schon früher funktioniert. Letztlich sind die Menschen doch soziale Wesen. Der Beweis? Trotz Waffen, mit denen man die ganze Welt zerstören könnte, sind wir immer noch da. Weil die Drohnen nicht wieder verschwinden und früher oder später auch letale autonome Drohnen auftauchen werden, ist es wichtig, dass gesetzestreue Staaten nicht nur selbst Drohnen besitzen, sondern über die besten Drohnen verfügen (und sei es nur, um sich vor anderen Drohnen zu schützen). Aber neben diesen Drohnen müssen sie auch den besten rechtlichen Rahmen für den Einsatz dieser Drohnen schaffen. Falls Sie der Ansicht sind, dass es solch eines Rahmens bedarf, unterstützen Sie bitte die Initiative des International Committee for Robot Arms Control (http://icrac.net).

Weitere Themen

„Barry Lyndon“ (1975) Video-Seite öffnen

Trailer : „Barry Lyndon“ (1975)

„Barry Lyndon“, Reg. Stanley Kubrick. Mit: Ryan O’Neal, Marisa Berenson, Patrick Magee. USA/UK, 1975.

Topmeldungen

Kanzlerkandidatin der Grünen: Annalena Baerbock am Montag in Berlin.

Kanzlerkandidatin Baerbock : Die grüne Zauberin

Noch ist die erste Kanzlerkandidatur der Grünen ein Anfang, dem ein Zauber innewohnt. Der könnte für Annalena Baerbock schnell zum bloßen Budenzauber werden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.