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Daniel Suarez im Gespräch : Schwärme von Tötungsmaschinen

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Gegenwärtig scheint die Zielerkennung noch so abzulaufen, dass man die Telefonverbindung abhört, das Telefon lokalisiert und dann, von Flugzeugen oder Drohnen aus, Raketen darauf abfeuert. Der logisch nächste Schritt wäre es, die ID-Nummern der betreffenden Telefone direkt als Ziel in die Drohne einzuprogrammieren. Wie weit sind wir davon noch entfernt?

Technisch ist das wahrscheinlich schon möglich, obwohl ich glaube, die Systeme werden anspruchsvoller sein als eine bloße Lokalisierung der International Mobile Equipment Identity (IMEI) eines Mobiltelefons. Die erfolgreiche Implementierung solcher Systeme wird eine ganz andere Sache sein; aber auch das hängt von der Sensibilität derer ab, die diese Technologie implementieren. Ein Land, dem Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit am Herzen liegen, wäre sicher sehr vorsichtig, wenn es um die Einführung automatischer Tötungssysteme geht und sollte das auch unbedingt sein. Schurkenstaaten, kriminelle Organisationen, extremistische Gruppen, kurzsichtige politische Führer und viele andere dürften dagegen nicht sonderlich besorgt über die Tatsache sein, dass autonome Drohnen Fehler machen - vor allem, wenn sich diese Systeme nicht leicht bis zu ihren Besitzern zurückverfolgen lassen. Tatsächlich könnte es sogar das Ziel solcher Angriffe sein, Chaos zu säen oder eine Regierung zu untergraben, indem man deren Unfähigkeit demonstriert, die Bevölkerung wirksam zu schützen.

Wie viele 10 000-Dollar-Drohnen wird man wohl einsetzen, um die Hindernisse für ein Geschäft zu beseitigen, das Milliarden Dollar einbringen soll?

Der Krieg stellt die sozialen Normen auf den Kopf, das ist einer der Gründe für seine verheerenden psychologischen Auswirkungen. Doch die emotionale Distanz, die autonome Drohnen ermöglichen, könnte unterschiedsloses Töten leichter machen. Wenn solche Drohnen erst einmal im Einsatz sind, wird es für die Öffentlichkeit und sogar für Kommandeure sehr schwer sein, Fehler von beabsichtigter Zielauswahl zu unterscheiden. Die Soldaten, die die Drohne losgeschickt haben, kennen sich vielleicht kaum mit deren Konstruktion aus, sondern lediglich mit ihrer Handhabung oder Wartung, und möglicherweise bekommen sie niemals Videos von der Zielkamera zu Gesicht. Außerdem dürfte die Firmware der Drohne kaum in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagt werden. Wer sollte belangt werden, wenn etwas schiefgeht? Der Hersteller der Drohne? Der Käufer? Das Bedienungspersonal? So diffuse Schuldzuweisungen haben in der Geschichte schon öfter Probleme bereitet. Und solange nicht eigene Leute oder Zivilisten in großer Zahl von autonomen Drohnen getötet werden, wird man Fehler meines Erachtens tolerieren, vor allem in geheimen Konflikten. Deshalb müssen Mechanismen wechselseitiger Kontrolle und ausreichende Transparenz Bestandteile jedes mit Drohnen arbeitenden Verteidigungsprojekts sein.

Die aktuelle Reaktion der Öffentlichkeit auf die Kriegführung mit Drohnen scheint vor allem in Amerika weitgehend positiv zu sein. Keine eigenen Leute werden in Gefahr gebracht, und abstrakte Konzepte wie die Souveränität anderer Staaten erscheinen irrelevant. Erwarten Sie, dass sich das ändern wird?

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