https://www.faz.net/-gsf-168cx

Aus dem Maschinenraum (5) : Die Netzregulierer

  • -Aktualisiert am

Wettbewerb mit Netzkapazitäten

Der Fall hat grundsätzliche Bedeutung für die Branche: Auch die anderen großen amerikanischen Anbieter wie AT&T, Verizon, Sprint und Time Warner können nun beliebige Inhalte filtern oder ausbremsen. In der Praxis kommt es selten vor, dass die Firmen davon Gebrauch machen – bisher. So versicherte eine Sprecherin von Comcast nach dem Urteilsspruch auch umgehend, das Unternehmen wolle seinen Kunden keine neuen Restriktionen auferlegen.

Doch Internet-Provider sind hier wie dort keine Wohltätigkeitsvereine, sondern gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen. Sie versuchen mit ihrem Netzwerkmanagement eine möglichst effiziente und damit profitable Auslastung ihrer Bandbreite zu erzielen. So wird etwa für Internet-Telefonie, für die der Anbieter pro Minute kassiert, Platz auf den Leitungen reserviert. Andere Beispiele für die Priorisierung von Dienstleistungen sind etwa eigene Videoangebote des Internet-Providers oder garantiert zugesagte Übertragungsraten für Geschäftskunden. Am Ende steht für den normalen Kunden zur Verfügung, was sein Anbieter nicht schon für profitablere Produkte vorgesehen hat. Solange dieser Bandbreite-Rest groß genug ist, weil ohnehin genügend Kapazitäten vorhanden sind, hat niemand ein Problem. Kritisch wird es jedoch, wenn gezielt Protokolle oder Websites künstlich verlangsamt werden, um beispielsweise schnellen Zugang zu verkaufen oder gar eigene konkurrierende Angebote zu bevorzugen.

Zugangsverknappung und Informationsfreiheit

Ein verwandter Problembereich ist die absichtliche Überbuchung der Netze. Die Kalkulationen, wie viel Bandbreite die Kunden im Schnitt benutzen, bestimmen, wie viele Einnahmen mit der installierten Infrastruktur zu erzielen sind. Das kann man sich etwa wie bei einem ausgesprochen sparsamen Straßenplaner vorstellen, der extrem optimistische Annahmen über die Anzahl der Autos macht, die pro Stunde passieren. Ist die Schätzung falsch, kommt es zum Stau. Solange die Kunden nicht in Scharen abwandern, lohnen sich solche Manipulationen, gerade für durch hohe Verbindlichkeiten geplagte Anbieter. Abhilfe kann hier nur eine wirksame Regulierung schaffen, die sicherstellt, dass die Produktzusagen in den Werbebroschüren tatsächlich eingehalten werden.

Theoretisch kann der Kunde zu einem anderen Provider wechseln, der eine andere Geschäftspolitik pflegt, der sich eben nicht als Mittler einmischt, keine Kommunikation verhindert, beschränkt, in die Inhalte der Datenpakete hineinguckt oder anderweitig eingreift. In der Praxis stellt sich jedoch oft das Problem, dass etwa auf dem Lande nur ein Anbieter überhaupt oder nur Alternativen mit viel weniger Bandbreite verfügbar sind. Zudem ist ein Provider-Wechsel für viele Kunden noch immer ein veritabler Albtraum.

Jenseits der Fragen zur Regulierung der Ökonomisierung des Netzes und zur Innovationsfreundlichkeit für zukünftige Geschäftsideen geht es für den normalen Bürger vor allem um den gleichberechtigten Zugang zu Informationen und um demokratische Meinungsfreiheit. Denn eine Zugangsverknappung berührt die Informationsfreiheit unmittelbar. Die Regierungskoalition hat auf all diese drängenden Fragen hierzulande ganz eindeutige Antworten, und zwar im Koalitionsvertrag. Hier heißt es zum Problem Netzneutralität lapidar: Der freie Markt wird es schon richten. Vermutlich mindestens so gut, wie er es im Strommarkt oder bei der Bankenkrise vermocht hat.

Weitere Themen

Topmeldungen

Stuttgarter Neuzugang: Silas Wamangituka kam von Paris FC in die zweite Bundesliga

VfB-Profi Silas Wamangituka : Ein zweiter „Fall Jatta“?

Einem Medienbericht zufolge soll der Stuttgarter Königstransfer Silas Wamangituka unter falschem Namen spielen und auch bei seinem Alter falsche Angaben gemacht haben. Gegenüber der F.A.Z. hat der VfB Stuttgart nun Stellung bezogen.

Neue Häuser : Holz trifft Beton

Der Baustoff aus dem Wald ist flexibel und ökologisch. Doch manchmal braucht er eine harte Gründung, wie dieser Bau in Brandenburg zeigt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.