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Aus dem Maschinenraum (13) : Sicherheit im Netz? Nur durch Vernetzung!

  • -Aktualisiert am

Prävention gegen den Cyberwar

BDK-Mann Jansen setzt noch einen drauf und fordert die „Reset- Funktion“ für das Netz. Der Reset-Knopf bedeutet dem Wortsinne nach, etwas in einen vorherigen Stand zurückzuversetzen. Wahrscheinlich stellt er sich das so vor wie eine Zeitmaschine. Ein Knopfdruck – schon sieht die Welt wieder aus wie 1998. Alles Wesentliche kommt aus dem Faxgerät, beruhigend rattert noch ein Telex im Keller, für den Fall der Fälle. Welcher Angriff, welche Bedrohung sollte dem eigentlich vorausgehen?

Die Unterstützer der Abschalt-Idee haben da klare Vorstellungen: Internetkriminalität und der unvermeidliche „Cyberwar“. Eine Trennung ganz Deutschlands vom weltweiten Netz im hypothetischen Fall eines massiven Angriffs auf die Netzwerkstrukturen würde indes gar nicht helfen. Ein auch nur halbwegs intelligenter Angreifer erschliche sich selbstverständlich zuerst virtuelle Stützpunkte im Inneren des Landes und schlüge dann von dort aus zu. In den Szenarien der Cyberkriegsplaner wird es immer dann richtig ungemütlich, wenn die geographische Herkunft der Router, Switches und Softwarepakete, aus denen das Internet besteht, berücksichtigt wird. Wenn nämlich die Herstellerländer dieser Basiskomponenten über Hintertüren verfügen, ist eine Verteidigung durch Hochziehen der virtuellen Zugbrücke vollkommen nutzlos.

Strategien der kollektiven Sicherheit

Auf der anderen Seite des Atlantiks ist die Diskussion um das Abklemmen des Netzes schon etwas weiter. Der ehemalige Chef des amerikanischen Abhörgeheimdienstes NSA, der für die elektronische Verteidigung zuständig ist, führte kürzlich auf der Hacker-Konferenz Defcon das Konzept der „Co-Dependency“ ein: Da ein intelligenter Angriff im virtuellen Raum praktisch nicht zu seinem Urheber zurückzuverfolgen ist, kann es auch keine Abschreckung geben. Sicherheit kann nur durch intensive gegenseitige Verflechtung gewährleistet werden, durch Fördern und Ausbauen von Vernetzungen und wechselseitigen Abhängigkeiten. Erst wenn es sich kein Land, das über potentielle Cyberangriffswaffen verfügt, mehr leisten kann, einen Angriff zu starten, weil es selbst zu sehr in Mitleidenschaft gezogen würde, kann es kollektive Sicherheit geben.

Begleitet werden sollte eine solche sinnvolle Strategie von internationalen Abkommen zur Ächtung von digitalen Angriffen auf wichtige zivile Infrastrukturen sowie einem Moratorium der virtuellen Aufrüstung. Die nach dem Kalten Krieg entwickelten Strategien der kollektiven Sicherheit sollten auch die Grundlage für Frieden im Netz sein. Das zombiehafte Wiederauferstehen der Abschreckungs- und Einbunkerungsmentalität aus den siebziger Jahren wirkt so anachronistisch wie die Vorstellung einer Internet-Doomsday-Maschine, die von der Kanzlerin per „Rotem Knopf“ aktiviert werden kann.

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