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Apples Macht : Die Politik des iPad

  • -Aktualisiert am

Geschlossenes System: Nach der Präsentation durch Steve Jobs wird das iPad herumgereicht Bild: REUTERS

Das Konzept des iPad ist ein Bruch mit der klassischen Cyber-Anthropologie, in der der Mensch sich seine Welt bis in die Mikrostruktur zusammenstellt. Der Preis dafür könnte die Kultur digitaler Kommunikation völlig verändern.

          Schon während der geradezu buddhistischen Präsentation des neuen iPad füllte sich das Netz mit Protesten darüber, was Apples neuer Computer alles nicht kann. Buchstäblich bei jedem Fingertipp von Steve Jobs hielt eine neue Phalanx von Demonstranten virtuelle Transparente hoch: keine Tastatur, keine Kamera, keine Entwicklungswerkzeuge, keine sinnvollen Anschlussbuchsen, kein Multitasking! Steve Jobs, der Revolutionär des Computerzeitalters, gab seine Regierungserklärung ab, und plötzlich dämmerte es großen Teilen seiner Mitrevolutionäre, dass die Zukunft sie womöglich nicht mehr braucht. Ungefähr einen Tag später wurde klar, dass genau darin die revolutionäre Dynamik des neuen Geräts liegen könnte.

          Computer sind die Matrix fast jeder privaten und staatlichen Kommunikation der Gegenwart. Wenn, wie Nicholas Carr zu Recht mutmaßt, der Hype um den iPad mehr von neuen Kommunikationsbedürfnissen als von neuer Technologie verrät, dann erlebt man hier das Äquivalent zu einer großen Verwaltungsreform. Was Steve Jobs vorführte, war keine neue Technologie. Es war eine Reform der Bürokratie, nämlich jener verwaltungstechnischen und bürokratischen Systeme, die in Wahrheit den Kern des digitalen Zeitalters ausmachen. Jeder Prozessor organisiert Daten, erteilt Befehle, setzt Prioritäten, jedes Netzwerk verrät irgendwo noch immer, dass es ursprünglich für die Befehlssteuerung im militärischen Bereich entwickelt wurde.

          „Du bist frei“

          Computeranwender der letzten zwanzig Jahre sind endemisch an der Verwaltungssteuerung ihrer Rechner verzweifelt (vor allem wenn sie von Microsoft stammt). Doch je stärker die Systeme vernetzt und die Daten „nach oben“ getragen werden, von unserem einst isolierten Desktop zu anderen, direkt verbundenen Computern (in den späten achtziger Jahren), ins weltweite Netz (seit den neunziger Jahren) und schließlich in jedes mobile Handy (seit 2000), desto stärker wird die Bürokratie des Computers die Bürokratie der wirklichen Welt. Verwaltungsreform klingt langweilig, aber so wie in der wirklichen Welt gilt auch in der digitalen, dass hier der entscheidende Schnittpunkt zwischen Individuum und Institution, zwischen Mensch und Computer liegt.

          Der iPad könnte eine Verwaltungsreform der digitalen Welt mit erheblichen Konsequenzen signalisieren: mit Auswirkungen nicht nur auf die Verkaufs- und Kommunikationsgewohnheiten im Netz, sondern auch auf dessen Ideologie und Metaphern, die unmittelbare Wirkung auf unser Verständnis von unserer Umwelt haben. Die vielen Informationen haben die Auskenner blind gemacht, schreibt die legendäre Blog-Cruftbox in einer „Erklärung an das Internet“: „Ihr habt Euch im iPhone getäuscht. Ihr täuscht Euch hier. Es ist eine dritte Art des Computers.“

          Vergessen wir für einen Augenblick die überall diskutierte Frage, ob man sich das Gerät kaufen würde oder nicht. Vergessen wir Apples Aktienkurs. Vergessen wir alles außer dieser überdimensionierten Hand von Steve Jobs, die auf einem riesigen Bildschirm zu sehen ist, wie sie einen kleinen Bildschirm bedient. Neven Morgan hat in seinem Blog beschrieben, was er dort sah. Jobs demonstrierte das E-Mail-Programm, eine Inbox erscheint in der linken Spalte, „und ich denke, hmmm, ich frage mich, ob man diesen Splitter vergrößern kann. Er ist nicht sehr groß, man kann ihn nicht leicht mit seinem Finger berühren. Und plötzlich merke ich: Man kann es nicht vergrößern. Und ein großes Leuchten erschien auf meinem befreiten Antlitz, und eine Stimme sprach mit Donnerworten: Du bist frei. Frei davon, sinnlos Präferenzen einzustellen und frei von quälenden Fingerübungen.“

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