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Abschied vom Web 2.0 : Will Steve Jobs Böses?

  • -Aktualisiert am

Der beste Verpackungskünstler der digitalen Welt, Steve Jobs, präsentiert sein neues Spielzeug Bild: dpa

Der Apple-Chef glaubt nicht an das Web 2.0 und will Google stürzen. Mit dem iPad verabschiedet Apple nicht nur den Computer, sondern greift auch die Idee sozialer Netzwerke an.

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          Ist der iPad Hype, oder ist er imstande, wie das anfänglich unterschätzte iPhone, die Kommunikation zu verändern? Wir haben John Markoff, der mit allen handelnden Personen geredet hat, um seine Einschätzung gebeten. Markoff ist Redakteur der „New York Times“ und einer der besten Kenner des Silicon Valley. In seinem Buch „What the Dormouse Said“ (2005) beschreibt er den Einfluss der Gegenkultur der sechziger Jahre auf die Computerindustrie. Zusammen mit Tsutomu Shimomoura, einem führenden Fachmann für Computersicherheit, hat er ein Buch über die Verfolgung des legendären „Dark Side Hackers“ Kevin Mitnick geschrieben. „Data Zone - die Hackerjagd im Internet“ liegt auch in deutscher Übersetzung vor.

          Das Buch ist tot, sagte Steve Jobs vor zwei Jahren zu mir. Seine Bemerkung, mit der er auf eine Frage nach Amazons elektronischem Lesegerät Kindle reagierte, löste unter Bloggern einen Sturm der Entrüstung aus.

          Nachdem er 1997 zu Apple zurückgekehrt war, spielten Steve Jobs und ich während der zwanzigminütigen Einzelinterviews, die er nach einer Produkteinführung ausgewählten Journalisten zu geben pflegte, manchmal ein kleines Spiel. Nachdem er Apples jüngste Erfindung vor großem Publikum enthüllt hatte, versuchte er wie üblich, hinter der Bühne die Reporter von „New York Times“, „Wall Street Journal“, „Business Week“, „Newsweek“ und ein oder zwei anderen Zeitungen auf die neue Botschaft einzuschwören. Ich aber wollte ihn dazu bringen, dass er frei von der Leber weg sagt, was er denkt. Zumindest bei dieser Gelegenheit habe ich unser Pingpong gewonnen.

          Der Technikpublizist John Markoff

          „Ganz egal, wie gut oder schlecht das Produkt ist – Tatsache ist, dass die Leute nicht mehr lesen“, sagte er, als er das MacBook Air vorgestellt hatte. „Vierzig Prozent der Amerikaner lesen ein Buch im Jahr oder weniger. Das ganze Konzept ist am Gipfelpunkt brüchig geworden, weil die Menschen nicht mehr lesen.“

          Die Lücke zwischen Smartphone und Laptop

          Was hat sich in den vergangenen zwei Jahren verändert? Zweifellos lesen die Amerikaner heute nicht mehr Bücher. Ob nun Steve Jobs recht hatte mit seiner Prognose über das Ende des Buches oder nicht, so verkündete er jedenfalls vergangene Woche Apples Absicht, mit dem geschriebenen Wort das zu machen, was das Unternehmen mit der Musik gemacht hat. Mit dem Tablet-Computer iPad verfügt Apple über sein eigenes E-Lesegerät.

          Als Kombination von Webbrowser, E-Reader, E-Mail-Programm, Video- und Musikwiedergabeprogramm und Videospielkonsole ist der iPad Apples Wette darauf, dass es zwischen Smartphones und Laptops Platz für einen dritten Bildschirm gibt. Natürlich melden sich Skeptiker zu Wort, die das bezweifeln. Aber die meisten Entscheidungsträger in der Industrie gehen von einer so großen aufgestauten Nachfrage nach einer anderthalb Pfund schweren Tafel mit dem Erscheinungsbild eines gedopten iPhones aus, dass man frühestens in einem Jahr sehen wird, ob Apple eine Nische besetzt oder eine Revolution ausgelöst hat.

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