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Universität Greifswald : Ein feiger Kompromiss

Luftballon mit dem Konterfei von Ernst Moritz Arndt am Wochenende in Greifswald Bild: dpa

Die Universität Greifswald verzichtet auf ihren Namenspatron Ernst Moritz Arndt. Doch wer will, darf sie trotzdem noch nach ihm nennen.

          3 Min.

          Mit dem Vorwurf der „Geschichtsklitterung“ wurde belastet, wer im vergangenen Jahr – mal wieder – die Ablegung des Namenspatrons der Universität Greifswald forderte. Ernst Moritz Arndt war die geschichtsträchtige Figur des 18. und 19. Jahrhunderts, die viele Bürger der kleinen Hansestadt fortan in Aufruhr versetzte. „Ernst Moritz Arndt bleibt“, skandierten sie und zeigten sich unbeeindruckt von Forschungen, die den Schriftsteller und Historiker als in Teilen rassistisch und antisemitisch einstufen und darauf hinweisen, dass er als Namenspatron 1933 unter dem Regiment von Hermann Göring aus der Taufe gehoben und in den Dienst zweier Diktaturen gestellt worden ist. Aber es war keine Zeit des rationalen Arguments – zu sehr luden die Greifswalder Bürger „ihren“ Ernst Moritz Arndt zur zentralen Identitätsfigur auf, zu sehr heizte sich die Stimmung in den sozialen Netzwerken auf, als dass eine vernünftige Debatte möglich gewesen wäre.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Der Senat der Universität hatte vor einem Jahr für die Änderung des Universitätsnamens gestimmt, doch das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern verweigerte die Genehmigung aufgrund formaler Mängel. Der Streit schwelte weiter, nach einigen Monaten sollte eine Online-Umfrage unter den Hochschulmitgliedern den Weg zu einer neuen Entscheidung bereiten. Die Umfrage, hieß es, sei nicht bindend für den Senat – das war natürlich Augenwischerei, denn warum sollte man eine Umfrage durchführen, wenn sie auf die Abstimmung des Senats gar keinen Einfluss hat? Doch offenbar trügt der Schein. So dringend schien die Angelegenheit zumindest für die Universitätsangehörigen gar nicht zu sein. Zwar sprach sich eine Mehrheit für die Beibehaltung des Namenspatrons aus, doch es nahmen nur rund 33 Prozent an der Umfrage teil. Ähnlich sah es in der rein studentischen Abstimmung aus, an der sich gerade einmal 15 Prozent beteiligten, die allerdings mehrheitlich gegen Arndt stimmten.

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