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Tour de France : ARD im Dopingsumpf

  • Aktualisiert am

Kennt Namen: Rudolf Scharping Bild: dpa

Die ARD bekommt derzeit zu spüren, was es heißt, im Dopingsumpf zu recherchieren. Während Monica Lierhaus sich aus Imagegründen von der Tour-Moderation zurückzog, brüstet sich Rudolf Scharping damit, die ARD werde ihm einen Doping-Informanten preisgegeben.

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          Für Monica Lierhaus, die als Moderatorin der ARD vorgesehen war, ist die Tour de France, die heute mit dem Prolog in London beginnt, auch schon beendet: Sie wollte angesichts der Umstände einfach ihren Ruf nicht aufs Spiel setzen. Auch wenn sie bis gestern Nachmittag auf ihre eigene Internetseite noch tapfer Durchhalteparolen plazierte, wird sie nun zu ihrer eigenen Erleichterung durch Michael Antwerpes ersetzt.

          Auch ansonsten bekommt die ARD zu spüren, was es heißt, im Dopingsumpf zu recherchieren. Es heißt, das Risiko zu ertragen, zu denen, die bislang in der einen oder anderen Weise „Partner“ waren, auf Konfrontationskurs zu gehen. Zum Beispiel zu Rudolf Scharping, dem Präsidenten des Bundes deutscher Radfahrer. Denn der geht im Augenblick damit hausieren, dass ihm die ARD den Informanten preisgeben werde, der seinen Stellvertreter, den ehemaligen Kriminalpolizisten Udo Sprenger, in dem SWR-Politmagazin „Report Mainz“ der Verwicklung in Dopingpraktiken bezichtigt hat.

          Informantenschutz - aufgeweicht

          Zuerst überfuhr Scharping in der „Sportschau“ den HR-Sportchef Ralph Scholt, als er forderte, die eidesstattliche Versicherung des anonymen Informanten von „Report“ offenzulegen. Gleich hernach brüstete sich Scharping im „Sportstudio“ des ZDF damit, dass die ARD ihm den Namen nennen werde. Im Senderverbund hat das in den Schaltkonferenzen der Redaktionen zu einer heftigen Kontroverse zwischen den Sport- und den politischen Journalisten geführt.

          Die Dopingrechercheure, von denen die ARD nicht allzu viele hat, sehen sich unter Druck. Ohnehin ist es schwierig, jemanden zu finden, der über das Doping-Netzwerk auspackt. Ist aber erst der Informantenschutz aufgeweicht, wird es unmöglich. Bei der ARD sollte man wissen, dass der Schutz von Informanten zum Wichtigsten des Journalismus gehört – und dass die Berichterstattung über Doping exakt da fortfahren sollte, wo „Report Mainz“ aufgehört hat.

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