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Die SPD im Taumel : Die Surrealistische Partei Deutschlands

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Augen zu und weiter: Die SPD macht Politik Bild: ddp

Die SPD versucht, noch die größten Eklats als Normalität zu verkaufen. Wir machen immer wieder mit. Ist das noch Politik oder ist es schon Wahn? Ein Kommentar von Nils Minkmar.

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          Der belgische Maler René Magritte hat einmal ein kleines Experiment gewagt. Seine Frau war mit einer Freundin in der Stadt, da klingelte, leicht verfrüht, der Ehemann besagter Freundin, um sie abzuholen. Magritte bat den ihm unbekannten Herrn hinein, und bevor sie beide den Salon erreicht hatten, nahm er Anlauf und versetzte seinem ahnungslosen Gast plötzlich einen ordentlichen Tritt. Der ging weiter, beide nahmen Platz und tranken Tee, ohne den Vorfall je anzusprechen.

          Die SPD hat von Magritte gelernt: Noch jeder Eklat wird in kürzester Zeit zur Normalität erklärt. Auch wenn morgen eine Horde Orang-Utans das Willy- Brandt-Haus kaperte, würde sich Generalsekretär Heil schon am Mittag auf die „Herausforderung“ freuen, mit Menschenaffen Politik zu gestalten. Schon lange wusste man als Zuschauer des großen sozialdemokratischen Sozialexperiments, dass man etwas ganz anderes sieht als das, was angeblich gezeigt wird. Als Müntefering nach der Auseinandersetzung um die Rente mit siebenundsechzig erklärte, das sei doch voll in Ordnung, dass man mal unterliege, klar werde er auch weiterhin gut mit Beck zusammenarbeiten, da sah man deutlich den Wunsch nach Revanche. Als der Hamburger Parteitag die neue und natürlich ewige Geschlossenheit demonstrierte, konnte man in den Fluren schon beobachten, wie die spin doctors der Stones gegen Beck arbeiteten. Und nicht nur bei dessen angeblich großer Parteitagsrede dachte man ständig: Sieben Fehler sind im Bild. Ceci n’est pas un Parteivorsitzender.

          Mit dem Latein am Ende

          Sicher wird es für jede dieser kognitiven Dissonanzen gute Gründe geben, womöglich sogar heilige, so genannte inhaltliche Gründe, die, noch heiliger, im Sinne der „Menschen“ und nicht etwa der Orang-Utans verfolgt werden müssen. Aber wer hat noch Lust, der SPD zuzuhören? Die uns, der Öffentlichkeit, zugedachte ewig unangekratzte Benutzeroberfläche ist abstoßend.

          Kann nicht wenigstens am Ende eines Sonntags, der damit begann, dass alle Genossen wie die Schäfchen brav und verlogen blökten, Beck und Steinmeier seien das ideale Tandem, und der damit endete, dass der eine dieser tollen Freunde den anderen der Intrige und Unzuverlässigkeit bezichtigte, mal einer vor die Kameras treten und erklären, jetzt sei man mit dem Latein am Ende? Diese dauernde Illusion, dass die neue Zeit bei jeder Entscheidung über die Parteiführung schon mitziehen werde, als wäre die Agenda 2010 die Rettung des Landes und ihre partielle Außerkraftsetzung aber auch, als wäre eine Ächtung der Linkspartei ebenso geboten wie die Zusammenarbeit mit ihr, diese Nummer nervt.

          Über alle Ränder hinaus

          Das ist keine Dialektik mehr, das ist bester Surrealismus. Spätestens seit dem Frühjahr, als Kurt Beck und Andrea Ypsilanti ihr Wahlversprechen bezüglich der hessischen Verhältnisse klar und deutlich gebrochen haben, wurde die SPD zur Tex-Avery-Partei und lief munter über den Rand des Canyons hinaus weiter ins Leere, monatelang. Gestern blickte sie dann mal nach unten, doch am rauchenden Einschlagloch mit den Umrissen Kurt Becks stehen nur lauter scheinbar unbeteiligte Kollegen.

          Schöne Genossen sind das, die nun mit feierlicher Miene dem Pfälzer dafür danken, dass er ... wofür auch immer. Warum kann man sich nach einem solchen Tag nicht auch einmal so vernehmen lassen: „Beck und ich, das ging gar nicht mehr. Wir hatten große inhaltliche Differenzen, dauernd gab es Krach, und meiner Meinung nach war er nach seinem Schwenk in Sachen Linkspartei schlicht nicht mehr tragbar“? Oder wenigstens sagen, man habe gerade auch keine Ahnung, wie es weitergehen soll?

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