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Diskussion um „Die Simpsons“ : Auch Busfahrer sind eine Minderheit

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Eine Karikatur: „Die Simpsons“-Charakter Apu verkörpert bewusst Vorurteile – das ist von den Machern beabsichtigt. Bild: AP

Apu, der indische Charakter aus „Die Simpsons“, braucht eine neue Stimme. Hank Azaria will sie ihm nach Rassismus-Vorwürfen nicht mehr leihen. Doch das Spiel mit Vorurteilen gehört zur Serie – hier wird niemand verschont.

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          Der amerikanische Schauspieler Hank Azaria wird seine Stimme nicht länger der Comicfigur Apu Nahasapeemapetilon in der amerikanischen Fernsehserie „Die Simpsons“ geben. Lange schon war darüber gestritten worden, ob der starke indische Akzent, den Azaria dem Ladenbesitzer verlieh, nicht rassistische Vorurteile verbreite. Zuletzt hat es sogar einen Dokumentarfilm zu diesem „Problem mit Apu“ gegeben. Azarias Hinweis, er habe seine Sprechweise unter anderem an einen pakistanisch-stämmigen Ladenangestellten aus seiner Nachbarschaft angelehnt, half ihm nicht.

          Allein dass ein „Weißer“ die indische Figur spricht, wurde sowohl ihm wie der Serie als eine Art akustisches Blackfacing angelastet. Das wirft nicht nur die Frage auf, ob es ausschließlich Indern gestattet sein soll, in Zeichentrickfilmen und anderen Werken Vorurteile über Inder zu verbreiten. (Man kann an dieser Stelle „Inder“ durch jede beliebige andere Minderheit ersetzen und, da jeder Mensch in irgendeiner Hinsicht eine Minderheit ist, auch durch „Busfahrer“, „Atomkraftwerksbesitzer“ oder „Geschäftsfrauen“.)

          Eine Minderheit wie jede andere

          Sollte es tatsächlich in Läden südasiatische Mitarbeiter geben, die ungefähr so sprechen wie Apu, kommt die Frage hinzu, ab wann etwas eigentlich zum Vorurteil oder zur Karikatur wird. Die Serie behandelt Apu nicht besonders gehässig, jedenfalls nicht schlimmer als den Evangelikalen Ned Flanders („Herr Pfarrer, ich glaube, ich begehre meine eigene Frau“), seinen homosexuellen Sohn Rod oder den Schulrowdy Nelson Muntz (beide von Sprecherinnen synchronisiert), dessen Vater davongelaufen ist und dessen Mutter an der Flasche hängt. Vom deutschen Englisch des Austauschschülers Üter, der so heißt, weil die amerikanischen Zeichner das mit „Günther“ verwechselten, haben wir da noch gar nicht gesprochen. Vom Sprecher Homer Simpsons weiß man wiederum, dass er Vegetarier ist und keinen Alkohol trinkt, was die Minderheit der Couchpotatoes doch als beleidigend empfinden könnte.

          Derselbe Schauspieler synchronisiert übrigens auch den Hausmeister Willie MacMoran, mit starkem schottischen Akzent, ohne selbst nur ein bisschen schottisch zu sein. Die Wahrheit über den Protest gegen Vorurteile in Komödien findet sich übrigens, wie alles andere, ebenfalls in den „Simpsons“: Hausmeister Willie ist nämlich zusammen mit Luigi Risotto, dem stiernackigen Cletus Spuckler und dem Seebären-Darsteller Captain McCallister Mitglied eines Bowling-Teams. Einst hatten sie versucht, auch Apu zu bekommen, aber der hatte es abgelehnt. Der Name des Teams? „The Stereotypes“.

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