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Wörter auf dem Index : Von der Sehnsucht des Weibes nach dem Mohren

  • -Aktualisiert am

Egal, ob Caspar oder Melchior der schwarze König war, das konnte sich ändern: Krippenfiguren aus unbekannter Sammlung Bild: Creativ Studio Heinemann/Picture-Alliance

Können wir ohne manches alte Wort, das mittlerweile auf den Index gesetzt ist, über Diskriminierung, Schönheit und Identität sprechen? Ein Gastbeitrag.

          4 Min.

          Als ich ein Kind war, wurde die katholische Messe auf Lateinisch zelebriert. Die Messknaben in den weißen Gewändern waren ausnahmslos Knaben. Sie schwenkten Weihrauchgefäße. Mir wurde immer ein wenig schwummrig, wenn die Luft diese gräuliche Farbe bekam. Es war das gefährlich schöne Gefühl einer gerade noch kontrollierbaren Trance. Wir beteten das „Gegrüßet seist du, Maria“ mit der Zeile: „Du bist gebenedeit unter den Weibern.“ Als ich in die Pubertät kam, unterlag auch das Mariengebet einer Aufklärung. Wir beteten nun: „Du bist gebenedeit unter den Frauen.“

          Man meinte nun im Wort „Weib“ einen pejorativen Missklang zu hören. Damit aber war, was die politisch korrekten Didaktiker nicht bedacht hatten, ein Sprachzauber gebrochen. Das im Zusammenhang der „Ei“-Assonanz stumpf klingende „Frauen“ stellte die Zeile auf einmal in Frage. Warum sollte die „Frau“ Maria denn „gebenedeit“ sein? Der fehlende Gleichklang, der Reimbruch, war der schockartige sinnliche Zweifel am Sinn.

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