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Anschlag in Manchester : Auch im Netz hat der Hass nicht das letzte Wort

Gedenken an die Opfer: Auf dem St Anns Square in Manchester legen Menschen Blumen nieder. Bild: dpa

Nach dem Attentat in Manchester freuen sich IS-Anhänger, dass es viele, vor allem junge Opfer gefordert hat. Beileidsbekundungen und Angebote für Hilfe setzen sich dem beeindruckend entgegen.

          An einem Ereignis wie dem Terroranschlag in Manchester, bei dem ein islamistischer Attentäter zweiundzwanzig Menschen tötete und viele Dutzend verletzte, zeigt sich, was „soziale“ Netzwerke und Messengerdienste leisten müssen. Denn im Nu kursieren nicht nur Bilder und Videos von der barbarischen Tat, es tauchen die ersten Bekundungen auf, in denen sich Unterstützer der Terrorgruppe IS insbesondere darüber freuen, dass Kinder und Jugendliche getötet wurden. Der Attentäter habe das größtmögliche Blutbad anrichten, sagt die britische Premierministerin Theresa May. Die Islamisten wollen die freie Gesellschaft an den wundesten Punkten treffen und den maximalen Schrecken verbreiten, wozu nach dem Massenmord das ostentative Beklatschen der Tat gehört.

          An die fünfzigtausend Unterstützer soll der IS, oder besser „Daesh“, zwischenzeitlich bei Twitter gezählt haben, der Kurznachrichtendienst kommt mit dem Sperren der Accounts gar nicht nach. Unter dem Hashtag #manchesterarena soll wenige Stunden vor dem Anschlag derselbe angekündigt worden sein. Ein Terrorfan aus Brasilien weist das Attentat jubilierend als Reaktion auf Bombenangriffe „auf Kinder“ in Mossul und Raqqa aus, die Terrorpostille des IS, „Rumiyah“, ruft zu weiteren Mordanschlägen auf. Am Rande machen sich Schlauberger, die der Einschüchterung schon auf den Leim gegangen sind, Gedanken darüber, was Jugendliche auf einem abendlichen Konzert zu suchen haben.

          Bekennerschreiben des IS zum Anschlag in Manchester.

          So wird jungen Opfern und deren Eltern, die sich die Freiheit nehmen, frei leben zu wollen, eine Mitverantwortung für ein Verbrechen zugeschoben, das sich gegen die freie Gesellschaft an sich richtet. So verbreitet sich der Hass im Netz, gegen den auch das von Bundesjustizminister Heiko Maas vorbereitete „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ wenig ausrichten würde. Die Hasspropaganda ist ein internationales Phänomen, das die Netzwerkkonzerne auf die Probe stellt. Sie sind, wie die jugendlichen Opfer in Manchester, die das Konzert der aufstrebenden, jungen Popsängerin Ariana Grande besucht haben, ein leichtes Ziel.

          Doch auch im Netz zeigt sich, wie ausgeprägt der Widerstand gegen den Terror ist. Die Beileidsbekundungen aus aller Welt und spontanen Hilfsangebote vieler Menschen sorgen im Einzelnen nicht für solche Aufmerksamkeit wie die Einlassungen der Anschlagsbeklatscher, aber sie sind um ein Vielfaches zahlreicher als die Hassbotschaften, deren Absender nur zeigen, dass sie sich von allem Menschlichen abgewandt haben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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