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Die neue Freiheit der Schwulen : Anderssein lohnt sich

  • -Aktualisiert am

„Ich danke meinem Mann”: Peter Plate mit „Rosenstolz”-Kollegin AnNa R. Bild: AP

Schwulsein scheint in unserer Zeit selbstverständlich; Politiker outen sich ohne Folgen für ihre Karriere, Künstler desgleichen. In Amerika verdienen Prominente damit sogar ein Vermögen. Doch der liberale Schein trügt.

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          „Dann haben wir festgestellt, dass wir mehr sind als nur gute Freunde.“ Was meinte Matt, das einzige ausgesprochen männlich wirkende Mitglied der Boygroup „Part Six“, als er so die Frage nach seinem Verhältnis zu Tim, einem der übrigen singenden Jungs, beantwortete? Gewöhnlich wird damit klargestellt, dass zwei sich lieben. War das also das Bekenntnis einer schwulen Beziehung? Das Publikum des „Tigerentenklubs“ jedenfalls, Kinder zwischen neun und zwölf, wirkte keineswegs verwundert, sondern bejubelte den Auftritt so wie alle Teenies, die seit Monaten „Part Six“ feiern. Von Anrufen alarmierter Eltern oder enttäuschter Fans bei der ARD, die den betreffenden Club mehrmals ausstrahlte, war auch nichts zu hören.

          Ähnliches gilt für den Fernsehfilm „Einfache Leute“, der kurz zuvor den populären Tatortkommissar Max Ballauf alias Klaus J. Behrendt in der Rolle eines Familienvaters und Schwimmsportlers zeigte, der nach jahrzehntelangem Versteckspiel als Schwuler geoutet wird. Von Behrendts intensiver Darstellung war die Rede, vom grotesken Tatbestand, dass in der Sportwelt Homosexualität offiziell inexistent und hinter den Kulissen ein absoluter Makel ist, nicht aber davon, dass zur besten Sendezeit der Mehrheit ein sogenanntes Minderheitenproblem vorgesetzt wurde.

          Und das ist gut so

          Ein Schauspieler mit Macho-Image spielt bravourös einen Schwulen, in beliebten Krimiserien ist mindestens ein schwuler Kommissar fester Bestandteil - was vor zehn Jahren noch eine lang und breit besprochene Sensation gewesen wäre, gehört heute zum Fernsehalltag. Genauso wie das gerührte „Ich danke meinem Mann“, das Peter Plate, schwules Mitglied des Pop-Duos „Rosenstolz“, bei der Liveübertragung der Verleihung der „Goldenen Kamera“ aller Welt verkündete. Dem widerspricht nicht, dass Klaus J. Behrendt nach seinem Film in einem Interview beteuerte: „Ich liebe nun mal die Frauen - und das ist gut so.“ Denn mit dem Zitat der bundesweit zum geflügelten Wort gewordenen Formel, die vor sechs Jahren Klaus Wowereits Bekenntnis zu seiner Homosexualität bekräftigte, fügte der Schauspieler dem Beteuern seiner Heterosexualität quasi ein Augenzwinkern hinzu.

          Klaus J. Behrendt und Oliver Bäßler in „Einfache Leute”
          Klaus J. Behrendt und Oliver Bäßler in „Einfache Leute” : Bild: NDR/Christine Schroeder

          Das gehört heute zum guten Ton: Robbie Williams, noch immer Europas Popgott und nach eigenem Bekenntnis homosexuellen Erfahrungen nicht abgeneigt, hat in „Supreme“, einem seiner größten Hits, die entspannte Haltung unserer Gesellschaft zur Homosexualität zusammengefasst: „All the best women are married, and all the handsome men are gay.“ „You feel deprived“, schlussfolgert der Sänger im Namen der Heterosexuellen. Außen vor? Was früher für Schwule galt, soll heute für Nichtschwule gelten? Wer nicht wenigstens schwule Erfahrung hat oder deren möglichen Reiz nachempfinden kann, hätte den Zug der Zeit verpasst?

          Wird Bond schwul?

          Das scheint zuzutreffen, wenn man beispielsweise hört, dass selbst James Bond, das gestaltgewordene Testosteronsubstrat weltweiter männlicher Selbsteinschätzung, bald mit dem eigenen Geschlecht in Berührung treten wird. Im nächsten Film, so heißt es, soll Daniel Craig, der als zeitgemäß superviril gelobte neue Bond-Darsteller, eine homosexuelle Affäre haben. Und wenn in Nachbetrachtungen zu Breloers Meisterwerk „Die Manns“ außer Armin Müller-Stahl in der Rolle des Schriftstellers und Monica Bleibtreu in der seiner Frau Katja ein Darsteller hervorgehoben wird, dann ist es Sebastian Koch, der mit ergreifender Intensität die Höhen und Tiefen im schwulen Leben des Klaus Mann darstellte.

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