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Altersgipfel : Wer wird denn gleich 122 werden?

Man nennt ihn den „Müritz-Ötzi“: Nachbildung eines fünftausend Jahre alten Menschen aus der Steinzeit, zu sehen in Neustrelitz. Wirklich alt wurden unseres Wissens die Menschen damals allerdings nicht. Bild: ZB

Man muss nur lange genug leben, schon kennt einen jeder auf dem Planeten und die Zeitungen bringen eine Meldung: Zum Stand der Nachrufe auf die ältesten Menschen der Welt.

          Wenn Meldungen Ewigkeitswert bekommen, dann muss wohl wieder ein ältester Mensch der Welt gestorben sein. Das ist immer eine Meldung wert, auch wenn der einzige Meldungswert - statistisch, nicht menschlich gesehen - darin besteht, dass der eine älteste Mensch der Welt (unter den Männern bis vor ein paar Tagen der Japaner Yasutaro Koide mit 112 Jahren) durch den nächsten Methusalem ersetzt wurde (das dürfte nun der 111 Jahre zählende Asaki Miyagi sein), welcher allerdings weit abgeschlagen hinter den zähen Greisinnen rangiert.

          Angeführt werden diese von der 116 Jahre alten Afroamerikanerin Susannah Mushatt Jones. Bis die biblisch alt Gewordenen das Zeitliche mit dem Ewigen vertauschen, werden die ewig gleichen Fragen an die beinahe schon Zeitlosen herangetragen, nämlich warum sie denn so alt geworden sind. Mäßigung, sagte der gerade verstorbene Asiat.

          Jeden Tag drei rohe Eier mit Tatar

          Sich nicht von Männern herumkommandieren lassen, sagt Europas Älteste, die Italienerin Emma Morano. Sie isst jeden Tag drei rohe Eier mit Tatar. Nicht viel anders hält es Mrs Jones und schwört auf ein ausgewogenes Frühstück: Eier mit Speck. Das dürfte die Veganerlobby, die uns lieber Weizengras-Soja-Shakes servieren will, zwar nicht erschüttern, dürfte aber doch all jene beruhigen, denen es den Appetit verdarb, als die WHO mit der Erkenntnis um die Ecke bog, Fleisch sei krebserregend.

          Jeanne Calment, die den menschlichen Altersrekord mit 122 Jahren hielt und 1997 starb, steckte sich schließlich auch Zigaretten an, bis sie 119 war. Dann gab die Französin das Rauchen auf. Nicht wegen der Warnhinweise auf den Packungen, die es damals noch nicht gab, sondern weil ihr schwindendes Augenlicht das Anzünden schwermachte. Was einen nicht umbringt, macht einen eben nur noch älter.

          Am allerältesten aber wird der Mensch der Gegenwart im Internet: wie der 179 Jahre alte Inder Mahashta Murasi. Dessen Bild machte online die Runde, es zeigt einen ledrig gewordenen Greis, halb Guru, halb Bettlägriger, der vermeintlich sein Geheimnis kundtut: „Der Tod hat mich einfach vergessen.“ Eine Altersweisheit, die man getrost den Tod des Vergessens sterben lassen darf. Denn die Story von dem staunenswerten Supergreis entstand als Scherz auf der Website worldnewsdailyreport.com und wurde einfach für bare Münze genommen. Anfängerfehler, würden die Weltklasse-Greisinnen wohl sagen und das nächste Ei köpfen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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