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Sieben Thesen zur Autorschaft : Die Literatur stirbt am Algorithmus

  • -Aktualisiert am

Was war und ist? Ein Leser vor dem Bundestag. Bild: dpa

Die Literatur opfert ihren Kunstwillen in einer von Algorithmen determinierten Welt: Sieben Thesen zu unseren heutigen Maßstäben von guter Literatur.

          8 Min.

          Literatur kann gar nicht anders: Romane, Theaterstücke und Gedichte spiegeln die Gesellschaft wider, in der sie kursieren. Die zunehmende funktionale Differenzierung und die ökologische Problemlage machen eine Neupositionierung der Gesellschaften mit ihren Werten in der Welt notwendig. Die weitgehend stabilen gesellschaftlichen Teilsysteme von Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu sind Vergangenheit. Die Gesellschaften der Gegenwart differenzieren sich weiter in Subsysteme, die auftauchen, flottieren und vergehen. Die fortschreitende Differenzierung und das Wertproblem müssen Konsequenzen für das haben, was herkömmlich als literarische Qualität bezeichnet wird.

          Das Umfeld, in dem Literatur entsteht, verbreitet und rezipiert wird, hat sich nach dem Millennium radikal verändert. Klassische literarische Erzeugnisse stehen im verschärfenden Kampf um Aufmerksamkeit. Einerseits wird die Konkurrenz zwischen im weitesten Sinn literarischen Erzeugnissen größer, andererseits stehen literarische Narrative im Wettbewerb mit nichtliterarischen Narrativen: Viele Filme kommen gar nicht mehr ins Kino, sondern werden durch Streaming oder Bluray verbreitet. Fernsehserien gewinnen an Komplexität und nähern sich dem Roman an. Videospiele werden narrativer. In den sozialen Medien finden sich immer mehr erzählende Elemente. Und da klassische Werbung an Durchschlagskraft verliert, wächst der Anteil an „Content Marketing“, das ohne Narration nicht auskommt. Die Machart der nichtliterarischen Narrative hat Folgen für Erscheinungsbild, Struktur und Rezeption von literarischen Narrativen.

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