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Zensur in Japan : Die Kunst, mit Kunst nicht zu provozieren

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Japans kriegerische Vergangenheit

Auch wenn die Ausstellung selbst keine finanzielle Förderung von der Botschaft erhalten hatte, war der Rückzieher dennoch ein Zeichen für andere Sponsoren, von denen einige ihre Logos aus den offiziellen Dokumenten entfernt sehen wollten. Dabei sind die Arbeiten, die Farabegoli ausgewählt hatte, in ihrer Kritik eher subtil. Keine ist laut oder klagt auf offenem Weg an. Die Arbeit der in Wien ansässigen japanischen Künstlerin Hana Usui beispielsweise beschäftigt sich mit der in Japan immer noch ausgeführten Todesstrafe. Elf Meter lange Streifen aus Papier – die Länge, die der Strick hat, mit dem die Hinrichtung vollzogen wird – taucht sie dafür in Tusche und formt daraus Figuren und Formen, die aussehen wie verkohlte Überreste nach einem Vulkanausbruch. Die Gruppe „ChimPom“ hingegen ist schon öfter zensiert worden. Speziell, weil sie sich dezidiert mit der Atomkatastrophe von Fukushima auseinandersetzt.

2011 haben sie ein riesiges Wandbild in der U-Bahn-Station Shibuya, das sich mit Japans kriegerischer Vergangenheit beschäftigt, um ein Panel zum Thema Fukushima erweitert. Das führte zu einem nationalen Aufschrei. In „Japan Unlimited“ waren sie mit zwei Arbeiten vertreten, die sich ebenfalls mit der Atomkatastrophe beschäftigen und auch in Aichi gezeigt wurden. Unter anderem ihre Arbeit „PIKA“. Das bedeutet Lichtblitz und steht für die Atombomben von Hiroshima. „ChimPom“ hatten ein Flugzeug gemietet und die Worte in den Himmel geschrieben. In einer selbst zensierten Version der Arbeit wird über den Beamer eine Blende gelegt und so der Himmel und damit der Schriftzug verdunkelt. Eine ähnliche Bereitschaft zum Kompromiss findet man bei Ryudai Takano, der sich in seinen Fotografien nackt neben anderen Menschen fotografiert. Eines der Bilder, das ihn Arm in Arm mit einem anderen nackten Mann zeigt, wurde als anstößig empfunden. Kurzerhand verhüllte er das Foto im Lendenbereich mit einem Tuch, das er an die Wand davor nagelte und das nun fester Bestandteil des Werks ist.

Keine Diskussion!

Eine der etwas konkreteren Arbeiten, die in der Ausstellung in Wien zu sehen war, ist „Business as Habitual“ von Momoyo Tormitsu und zeigt die drei Vorstandsmitglieder des Energiekonzerns Tepco, der die Atomreaktoren von Fukushima betrieben hat, dabei, wie sie sich auf einer Pressekonferenz für den Super-GAU entschuldigen. Je tiefer man sich dabei verbeugt, desto höher ist der Grad an Vergebung, um die man bittet. Die drei verbeugen sich sehr tief. Doch im letzten Jahr sind die drei von den Vorwürfen der beruflichen Fahrlässigkeit mit Todesfolge freigesprochen worden.

Man sieht, dass es ein tiefes Bedürfnis nach einer öffentlichen Auseinandersetzung mit den Katastrophen gibt, die das Land immer noch bewegen. Wie stark sich die Regierung dennoch gegen jede Diskussion um die Gefahren von Atomenergie sträubt, zeigt eine Ausstellung, die im Foyer des Gebäudes der Vereinten Nationen in New York geplant ist. Vom 27. April bis zum 22. Mai, während der Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag, sollten dort eigentlich, initiiert von der Konföderation der Atom- und Wasserstoffbombenüberlebenden, verschiedene Künstler und Fotografen über die verheerenden Auswirkungen von Atombomben und eben auch die Gefahren von Atomenergie berichten. Das japanische Außenministerium drohte jedoch damit, seine Förderung zurückzuziehen, wenn man die Arbeiten über Fukushima nicht entfernen würde.

Doch auch die Hiroshima-Biennale, die im September 2020 eröffnen soll, ist von möglicher Zensur betroffen. Gerade wurde laut, dass dort ein staatliches Komitee eingesetzt werden soll, das Arbeiten ablehnt, die unpassend erscheinen. Dieses „unpassend“ ist erst mal nicht weiter definiert. Dem hat sich nun die Vereinigung japanischer Kunstkritiker (AICA Japan) in einem offenen Brief entgegengestellt. Es bleibt abzuwarten, ob die Regierung dieses Komitee tatsächlich einsetzt und ob im September überhaupt wieder Großveranstaltungen stattfinden können. Vor Japans Kulturschaffenden liegen in jeder Hinsicht herausfordernde Zeiten.

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